Mi, 30. Juni 2021
Nutze dein Hirn

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Scarlet Nexus Review

Scarlet Nexus ist vielleicht ein Spiel, das nicht jeder Aktion-RPG Fan bereits am Radar hat. Auf einer dystrophen Erde werden wir Teil einer Eliteeinheit, die gegen eine monströse Macht, genannt „die Anderen“, vorgeht. Ein Setting, das nach einem klassischen JRPG klingt. Falsch! Denn Scarlet Nexus hat ein paar Zuckerl für uns parat.

Die Devise vieler Entwickler geht leider 2021 immer mehr in Richtung Vorbesteller. Ganz selten werden Gameplay Videos oder gar spielbare Demos angeboten. Man wird als Spieler also eher aufgefordert die Katze im Sack zu kaufen. Scarlet Nexus gehört jedoch noch zu jenen Spielen, die dem Spieler mittels Demo die Chance geben einen Einblick in Gameplay und Story zu bekommen. Auch wir haben diese Chance bereits vor dem Release genutzt und waren angetan. Doch das Endresultat hat uns dann doch nochmals überrascht.

Bandai Namco startet mit Scarlet Nexus in die Richtung einer neuen Franchise. Auch etwas, das wir 2021 unter all den Prequel, Sequels und Remakes eher selten erleben durften. Das Setting: Eine dystrophe Erde in der die Bevölkerung ihr persönliches Potential durch digitale Erweiterung und Integration des eigenen Gehirns nutzt. Darunter unsere beiden Protagonisten Yuito und Kasane, deren Geschichten separat erzählt werden, sich jedoch immer wieder überschneiden. Als Teil einer Abwehreinheit gegen die vor Ort lebenden gefährlichen Kreaturen, „die Anderen“, erleben wir eine innovative Storyline, die vor Kreativität und Wendungen nur so strotzt. Um euch Spielern nicht den Spaß an der Geschichte zu nehmen, verzichten wir auf weitere Details der Storyline. Soviel sei aber gesagt: Teilweise wünschten wir uns sogar eine eigene Gehirnerweiterung um den kompletten Umfang erfassen zu können. Nichts desto trotz ist Scarlet Nexus ein schriftstellerisches Meisterwerks.

Wie gesagt können wir sowohl die Geschichte aus Yuitos, wie auch aus Kasanes Sicht erleben. Die beiden Storylines bieten etwa einen ähnlichen Umfang von ca. 30h. Natürlich ist die Spielzeit kürzer solltet ihr den andern Storypfad als „New Game+“ erleben wollen. In Summe aber wieder einmal ein Spiel mit an die bis zu 70h Spielzeit, vorausgesetzt ihr wollt wirklich alles erleben was Scarlet Nexus zu bieten hat.

Die Hauptgeschichte ist dabei immer wieder in einzelne Erzählungsabschnitte, sogenannte Phasen, unterteilt. Je nach Phase sind neue Gebiete, der weitläufigen Welt von Scarlet Nexus, betretbar oder gesperrt. Meistens erkunden wir ein neues Gebiet und müssen am Ende in einem Bosskampf bestehen. Am Ende einer jeden Phase gibt es eine „Ruhephase“, bei der wir uns entscheiden können in den aktuell betretbaren gebieten auf weitere Monsterjagd zu gehen und damit unsere Erfahrung zu erweitern. Alternativ können wir eine Mission annehmen, bei der wir bestimmte Monster auf eine bestimmte Art und Weise erledigen müssen. Diese Missionen werden auch im Zuge des Fortschritts in der Hauptstory nach und nach freigeschalten, müssen aber individuell erst von bestimmten NPCs angenommen werden.

Natürlich ist unser Protagonist nicht alleine unterwegs. Auf seiner Reise wird er immer wieder von  teilweise unterschiedlichen Gefährten begleitet. Ein jeder Gefährte besitzt, ähnlich wie wir selbst, eine spezielle Fähigkeit, die er dank Einbindung in das digitale Netzwerk erhalten hat. Um diese Fähigkeiten weiter auszubauen, können wir ebenfalls in der Ruhephase „Vertrautheitsmissionen“ starten. Auch diese werden nach und nach im Zuge des Fortschritts verfügbar. Auch kleine Geschenke erhalten die Freundschaft.

Die Fähigkeit von Yuito, wie auch aus Kasane ist in beiden Fällen jene der Psychokinese. Wir können mittels Tastendruck Objekte in unserer Umgebung manipulieren und auf die Anderen schleudern. Dabei treffen wir im Zuge unserer Geschichte auf die unterschiedlichsten Objekte. Man hat sich also bemüht unser Erlebnis der Fähigkeit jedes Mal neu zu definieren bzw. uns immer wieder zu überraschen. Mein persönliches Highlight war die Kontrolle eines Busses, der einfach so rumsteht, und mit dem wir einfach die feindlichen Kräfte niedermähen konnten.

Neben Psychokinese besitzen unsere Gefährten auch noch andere Kräfte, die uns im Kampf unterstützen. Diese sind dabei sowohl für den Kampf, wie auch  Verteidigung gedacht. Es empfiehlt sich daher je nach persönlicher Spielweise immer die richtigen Gefährten mitzunehmen, sofern eine Auswahl möglich ist. Kampffähigkeiten wie Pyrogenese oder Electrogenese verschaffen uns zusätzlichen Schadensboost und interagieren sowohl mit Zuständen von Feind, wie auch Umgebung. Beispielsweise können Feinde, die mit einem Ölteppich überzogen sind mittels Pyrogenese angezündet und so ordentlich Feuerschaden generiert werden. Passive Fähigkeiten wie Teleportation oder eine Schildfunktion helfen uns leichter den Angriffen auszuweichen oder diese gar zu parieren.

Gekämpft wird am Boden und in der Luft und das meistens mittels Nahkampf. Lediglich unsere Psychokinese erlaubt uns eine Art Fernangriff. Haben wir allerdings den Gegner durch ausreichende Attacken ins Wanken gebracht, welches durch eine extra Leiste in Gelb signalisiert wird, können wir unseren Hirnzerdrücker Move starten, bei dem unser Feind, abhängig von der Lebensleiste, meistens schön animiert mit einem Finisher-Move erledigt wird.

Unsere gesammelten Erfahrungspunkte können wir auf unserer Hirnkarte in den Ausbau unserer Fähigkeiten stecken. Dabei sind neben Angriff und Verteidigungsboosts auch zwei Besonderheiten hervorzuheben. Kämpfen wir nämlich lang genug gegen Andere lädt sich unsere Hirnladung auf. Hat diese ein Maximum erreicht schalten wir automatisch in eine Art Hirnüberladungsmodus in dem wir deutlich mächtiger gegen die Anderen vorgehen können. Nutzen wir diesen Modus wiederum lang genug können wir im späteren Spielverlauf nochmals per Tastendruck in das Gehirnfeld wechseln. In diesem Modus, in dem wir uns quasi wie Neo aus Matrix fühlen, haben wir das volle Potential unserer Fähigkeiten und bekommen zusätzlich neue Kampfmöglichkeiten. Allerdings zerrt dieser Modus stark an unserem Verstand und kann daher nur kurzzeitig genutzt werden.

Sowohl unsere Protagonisten, wie auch Gefährten, können individuell mit Waffen, wie auch Zusatzperks ausgestattet werden. Optische Charakterzüge können wir zwar nicht verändern, aber zahlreiche Kostüme erlauben uns quasi alle Figuren individuell anzuziehen. Barbies Strandhaus lässt grüßen.

Fazit

Scarlet Nexus sorgt immer wieder für Kurzweiligkeit während der doch 30h Erstspielzeit.  Die kreative, wie auch teilweise fordernde, Storyline nimmt uns dabei immer weiter mit auf eine nie langweilig werdende Reise. Diese wird dabei immer wieder mit frischen Gameplay Elementen aufgelockert. In Zeiten von Remakes und Pre/Sequels sind wir mit dem finalen Ergebnis von Scarlet Nexus höchst zufrieden und sehen vielleicht sogar einen Anwärter auf das GOTY2021.

 

— Fabian Padrta

9.1

Das Gute

+ Innovative und interessante Storyline

+ zahlreiche Aktivitäten

+ Unmengen an Anpassungsmöglichkeiten

+ Release auf allen aktuellen Plattformen

Das Schlechte

- Teilweise langgezogene Dialoge

Shortcut Scarlet Nexus
Release 25. Jun 2021
Studio BANDAI NAMCO Studios
Publisher Bandai Namco Entertainment, Namco Bandai Games America Inc.
Alles in Allem Into the Nexus