Sa, 4. April 2015

Criminal Girls: Invite Only - Delinquent Schoolgirls in Hell

Ein paar Mal auspeitschen, mit dem Elektroschocker bearbeiten, mit Gel übergießen, ein wenig kitzeln und eine Massage zum Abschluss. So werden aus minderjährigen Schuldelinquentinnen in mehr oder weniger knappen Gefängnisuniformen, ausgebildete Kriegerinnen in außerordentlich knappen “Rüstungen”.

Ja, das Spiel ist aus Japan. Natürlich zensiert für den westlichen Markt aber es versucht nicht wirklich seine Herkunft zu leugnen. Während der Großteil des Spiels bis auf einige Details Dungeon Crawler-Standardkost bietet, geht es in den Minigames rund her – außer man “motiviert” gerade ein Mädchen das nicht so gut bestückt ist. In klassischer Manga-/Anime-Optik geht man dabei seinen Schützlingen sprichwörtlich an die Wäsche, um ihnen zu helfen, versteht sich. Und Hilfe brauchen sie, denn schließlich haben sie keinen Schulabschluss und sind deswegen in der Hölle gelandet. Kein Scherz. Wie dem auch sei, es ist Aufgabe des Spielers ihnen die bösen Versuchungen aus dem Leib zu peitschen/schocken/gelen/kitzeln/massieren. Eine nach der anderen kann (und muss) so bearbeitet werden. Jedes Minispiel fängt gleich an, auf einem von rosa Schwaden gefüllten Bildschirm werden Symbole erscheinen die es zu zerstören gilt, die Versuchungen. Je öfter man das macht, desto mehr Schwaden verschwinden und enthüllen nach und nach das Mädchen das man gerade motiviert. Und man erkennt mäßig animiert wie sie ihr Gesicht verzieht oder ihr Körper erbebt während man tut was zu tun ist. Man erkennt auch, dass sie ein Kostüm trägt und am Ende etwas mehr Haut zeigt. Was denn für Kostüme? Gefängnisuniform, Schwimmanzug, Kuh, jeder Fetisch ist vertreten. Im internationalen Release wurden die Stöhnlaute entfernt, ob das ein Plus oder ein Minus ist, darf jeder für sich entscheiden. Am Ende bleiben auch mehr Schwaden übrig, was ein wenig seltsam ist, da im japanischen Original meines Wissens nach keine Geschlechtsteile gezeigt werden.

Ein Spiel für Perverse also oder zumindest hat es den Anschein. Im Zeitalter des Internets allerdings ein wenig zahm, weswegen ich mir nicht sicher bin, wer denn nun die Zielgruppe sein soll, vor allem mit der zusätzlichen Zensur im Westen.

Aber von solchen Dingen abgesehen, wie gut ist das eigentliche Spiel? Mittelmäßig. Außerordentlich mittelmäßig. Man beginnt auf der untersten Ebene der Hölle und erhält drei der sieben spielbaren Charaktere. Der Spielercharakter, dem die Mädchen folgen, ist eine Art Aufpasser und soll sie vom Bösen befreien, indem er sie nach oben bringt und aus der Hölle führt. Auf dem Weg warten allerdings Monster die bekämpft werden müssen. Kampffähigkeiten werden exklusiv in den oben erwähnten Minispielen freigeschaltet und der normale Angriff bringt einen nicht weit. So bewegt man sich aus leicht isometrischer Sicht – mehr von oben als sonst was – durch die Levels, kämpft gegen zufällig erscheinende Monster, öffnet Kisten und Türen und löst Rätsel die so banal einfach sind, dass ich mich fast schäme sie als solche zu bezeichnen.

An dieser Stelle eine Erklärung des rundenbasierten Kampfsystems, die einzige Innovation die das Spiel zu bieten hat. Von den sieben Delinquentinnen, die man im Lauf des Spiels einsammelt, kann man vier in die Gruppe stecken die im Fall eines Kampfes zum Einsatz kommt. Jede schlägt dann eine Fähigkeit vor und als Spieler wählt man jene aus, die dann ausgeführt werden soll. Welche Fähigkeit vorgeschlagen wird, hängt vom Zufall ab, weswegen man oft in der Situation sein wird, dass kein Vorschlag zielführend ist. Zum Glück gibt es die Wechselfunktion, mit der man pro Runde ein Mädchen aus dem Kampf mit einem aus der Reserve ersetzen kann, was zu neuen Optionen führen kann. Manche Fähigkeiten haben Zusatzbedingungen, so müssen etwa bestimmte Paare im Einsatz sein um besonders starke Kombo-Angriffe auszuführen. Später kommen noch Auto-Fähigkeiten hinzu, die am Ende jeder Runde eine Chance haben zu triggern.

Was anfangs noch nett und unbeschwert wirkt, wird später vor allem gegen starke Bosse zum Problem. So gibt es etwa nur eine Fähigkeit die verhindert, dass die gesamte Gruppe auf einen Schlag ausradiert wird. Wird sie nicht vorgeschlagen, darf man vom letzten Speicherpunkt losmarschieren.

Immerhin, Speicherpunkte gibt es genug, weswegen der Schwierigkeitsgrad außerhalb von Bosskämpfen banal ist, vor allem da man recht früh die Fähigkeit freischaltet, dass keine Monster mehr auftauchen, was die langen Laufwege in den Levels allerdings noch mehr zum Vorschein bringt.

Es wäre kein JRPG – wenn auch noch so abgespeckt – ohne Grinding. Und Grinding gibt es in Hülle und Fülle. Vor jedem Bosskampf gibt es ausreichend Gelegenheit sich mit Geld und Erfahrungspunkten einzudecken. Mit Geld bezahlt man die Minispiele sowie die typischen Items wie Heiltränke. Ausrüstung wie Waffen oder Rüstungen gibt es nicht.

Erfahrungspunkte dienen zum Hochleveln der Charaktere. Level erhöhen Treffer- und Manapunkte sowie die Attribute Angriff, Magie-Angriff, Verteidigung und Magie-Verteidigung. Der Zuwachs hängt vom Charakter ab. Man hat keinerlei Einfluss auf die Entwicklung, alles folgt vorgegebenen Pfaden.

So eindimensional wie die RPG-Komponente sind auch die Charaktere, die alle ihre ach so bösen Geheimnisse haben. Und man findet auch heraus, was genau sie gemacht haben um in der Hölle zu landen aber mich hat es am Ende nicht mehr interessiert. Die Geschichte ist einfach 35 Stunden nicht vorhanden und der Versuch das alles in den letzten 5 Spielstunden wieder wettzumachen, missglückt vollkommen. Das Leveldesign dehnt die Spielzeit merklich, mehrmals muss man durch bereits durchquerte Gebiete gehen um irgendwelche beliebigen Gegenstände für die Delinquentinnen zu holen, die natürlich so liegen, dass man die gesamte Map durchqueren muss um sie zu bekommen. Und immer wieder kämpft man gegen die immer gleichen Monster, ein wenig anders eingefärbt, um zur nächsten Ebene durchzubrechen.

Am Schluss noch ein Wort zur Steuerung. Sie erfüllt die meiste Zeit ihren Zweck, nur in den Minispielen gab es Probleme. Diese werden nämlich mit den Touchscreens der Vita gesteuert und jedes verlangt einen eigene Art der Interaktion. Beim Auspeitschen reicht es mit den Fingern auf dem gekennzeichneten Symbol zu verharren, der Elektroschocker ist da deutlich sensibler. Bei Gel und Kitzeln kam es mehrmals vor, dass meine Inputs einfach ignoriert wurden, zwei Mal stürzte der hintere Touchscreen einfach ab und ich musste die Konsole neu starten.

Fazit

Leute denen die… Ästhetik zusagt dürfen gerne 2 Punkte zur Bewertung unten hinzuaddieren. Freunde des Grindens werden ebenso auf ihre Kosten kommen, schließlich gibt es nach dem normalen Ende noch viel zu tun. Superstarke Bosse, zwei optionale Charaktere und ein Levelcap von 100 erwarten Euch (normale Kampagne endet etwa auf Level 40).

Alles in allem ein Spiel das nicht weiß was es will und das was es hat, so lange streckt bis es reißt. So wie meine Geduld beim finalen (Standard-)Boss.

— Christian Novotny
Bewertung

Urteil + Großteils kompetentes Gameplay - Zufallsfaktor in Kämpfen - Fragwürdige Moral - Langweilig - Praktisch keine Story
Alles in Allem MEH