Sa, 28. August 2021
Zwölf Minuten können lang sein

Zwölf Minuten können lang sein

12 Minutes

Reichen drei kleine Räume aus, um daraus ein spannendes Mystery-Spiel zu machen? Die Macher von 12 Minutes geben sich zumindest alle Mühe.

In 12 Minutes spielt schlüpft ihr in die Rolle eines namenlosen Protagonisten – nennen wir ihn Ehemann – der nach Hause zu seiner Ehefrau ins gemeinsame Mini-Apartment kommt. Diese freut sich schon auf euch, da sie Neuigkeiten für euch hat: ein Baby ist unterwegs! Die Zweisamkeit wird jedoch bald von einem Fremden unterbrochen, der sich Zutritt zu eurem Apartment verschafft, eurer Frau vorwirft eine Mörderin zu sein und anschließend euch und die Ehefrau tötet. Doch anstatt eines „Game Overs“ fängt das Spiel wieder von vorne an: ihr hängt in einer Zeitschleife fest, die es nun zu brechen gilt indem ihr durch Wiederholen des Loops die Geheimnisse eurer Ehefrau und des Fremden aufdeckt.

So harmlos geht es los.

Dazu müsst ihr eure Umgebung erkunden und die anderen zwei Figuren befragen. Das alles geschieht per Klick auf Objekte und durch Auswahl mehrerer Konversations-Möglichkeiten. Dieses Spielprinzip kennt man schon aus absoluten Spiele-Klassikern wie „TKKG – Katjas Geheimnis“. Problematisch ist bei 12 Minutes jedoch, dass man beim Spielen auf der Xbox sofort merkt, dass dieses eigentlich nicht für das Spielen mit einem Controller gedacht ist. Es funktioniert, aber eher mit Zähneknirschen. Schade, da das Spiel im Game Pass enthalten ist! Grafisch ist 12 Minutes unauffällig, nicht besonders schön oder raffiniert, aber dennoch nicht unästhetisch. Einen visuellen Clou, in welche psychologische Richtung das Spiel gehen wird gibt euch schon der Teppich im Gang zum Appartement, der an Kubricks „Shining“ erinnert.

Gesprochen werden die drei Figuren im englischen Original von drei Schauspielgrößen: Willem Dafoe, James McAvoy und Daisy Ridley.

Um zur Lösung des Rätsels zu kommen (oder zumindest dazu, dass die Credits laufen) müsst ihr jede Unterhaltung mehrmals durchlaufen, oft mit unerklärlichen Reaktionen eurer Gesprächspartner, die manchmal auch ins unfreiwillig Komische abdriften können. Auch passen die Antworten und Reaktionen oft nicht nahtlos zum bisher Geschehen, wodurch die schauspielerische Leistung der Sprecher leidet.

Durch das zahlreiche Wiederholen können die Dialoge auch bald fade werden, besonders die Begrüßung der Ehefrau (die in praktisch jedem Loop wiederholt wird) kann bald die gleiche Wirkung wie ein besonders unangenehmer Tinnitus haben.

Eine unbequeme Art, den Abend zu verbringen.

Wer die Puzzle in anderen Spielen oft zu leicht findet (looking at you, Resident Evil) wird hier bei 12 Minutes sicherlich seine Freude haben, denn es ist oft wirklich nicht leicht rauszubekommen, welchen Sinn manche Objekte haben, oder in welcher Reihenfolge ein Prozess ablaufen muss um zu einem bestimmten Ergebnis zu kommen: für jeden, der gerne alle Möglichkeiten ausprobieren will, sicherlich ein Fest! Mit reiner Logik kommt man jedoch nicht immer weiter und das Spiel gibt euch auch keinerlei Hinweise, welche Gegenstände wie benutzt werden können. Trotz des beengten Spielfeldes ergeben sich hier aber mehr als genug Möglichkeiten und Variationen. Ein Messer kann eben nicht nur eine Waffe sondern auch ein Werkzeug sein.

An dieser Stelle möchte ich auch noch ansprechen, dass 12 Minutes durchaus belastend sein kann. Als Protagonist seht ihr hilflos zu, wie eure schwangere Frau brutal geschlagen, bedrängt und getötet wird – immer und immer und immer wieder. Auch die Auflösung des Rätsels ist sicherlich nichts für Nervenschwache, bitte bedenkt dies bevor ihr zu Spielen beginnt.

Ohne zu Spoilern kann ich hier abschließend sagen, dass der Twist der Story SpielerInnen durchaus frustriert zurücklassen kann, macht euch also auch darauf gefasst! Und ganz unabhängig davon, was man vom Twist halten mag, er wird euch sicherlich für eine gewisse Zeit nach dem Ende des Spiels begleiten.

Fazit:

Wer sich hier auf ein klassisches Rätsel-Spiel, in dem es gilt mit Logik und dem kombinieren von Information einen Mord aufzuklären, eingestellt hat, wird leider eher enttäuscht. Die Mystery-Komponente tritt schnell in den Hintergrund, um Platz zu machen für das Science-Fiction-Element der Zeitschleife und für psychologische Charakterstudien. Wer jedoch gerne hartnäckig bleibt und unerschrocken eine Möglichkeit nach der anderen ausprobiert um letztendlich die Frage nach Schuld zu beantworten, wird mit 12 Minutes sicherlich Freude haben.

— Doris Edlinger

6

Das Gute

zahlreiche Möglichkeiten Objekte zu benutzen

beschäftigt auch nach Ende des Spiels

Starbesetzte Sprecher im englischen OT

im Xbox Game Pass inkludiert

Das Schlechte

Dialoge nicht immer logisch aufgebaut

kein klassisches Rätselspiel

besser mit Maus, als mit dem Controller

Shortcut 12 Minutes
Release 19. Aug 2021
Studio Nomada Studio
Publisher Annapurna Interactive
Alles in Allem Okay