Fr, 3. Oktober 2014

Kein Uruk ist mehr sicher!

Game Rezension: Mordors Schatten

Assassins Creed trifft auf Mittelerde – doch dieses Spiel ist weit mehr als das. Es ist ein Spiel, das man spielen kann wie man es möchte.

  
 

 
  
Die Handlung von Mordors Schatten ist mehr oder weniger der Lückenfüller zwischen den Geschichten „Der Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“ – Triologie von J.R.R. Tolkien. Getrieben von dem Durst nach Rache und der Sehnsucht danach endlich Frieden zu erhalten, metzelt man Uruks (die Hauptgegner in Mordors Schatten) auf jede nur erdenkliche Weise und sucht nach demjenigen der einen verflucht hat.

Verfluchte Freiheit
Die offene Welt von Mordors Schatten überhäuft den Spieler gleich mit jeder Menge Freiheiten. Das Anfangsgebiet ist groß und bietet genügend Fläche es zu erkunden. In bekannter Assassins Creed Manier muss der Spieler auf Türme hinaufklettern und so Missionen in der Nähe freischalten. Eine Reihenfolge oder ein Gebiet mit einem höheren Schwierigkeitsgrad welches man sich für später aufhebt, gibt es hier nicht. Das Spiel ist von Anfang an schwer und fordert den Spieler seine Stärken unter Beweis zu stellen. Das merkt man auch im Kampf. Hat man gute Reflexe kann man Head-on in eine Uruk-Menge preschen und 10-20 Gegner in einem epischen Massen-Rumble fertig machen. Spieler die es nicht so stressig mögen, können sich auch anschleichen oder aus der Entfernung einen Uruk nach dem anderen eleminieren ohne dass es jemand bemerkt. Richtet man einen Gegner brutalst hin, flüchten die anderen und es wird ein Katz-und-Maus Spiel.
Das Spiel schreibt einem praktisch nur die Voraussetzungen zum Abschluss einer Mission vor, jedoch die meiste Zeit nicht wie man sie zu lösen hat. Sogar bei den eher schwierigeren Häuptlingen gibt es keine Vorgabe. Man kann sie direkt ohne jegliches Wissen versuchen, vorher Informationen über ihre Fähigkeiten und Schwachstellen sammeln oder die Leibwächter brandmarken um sie für sich kämpfen zu lassen.

Gier nach Macht
Von Anfang an hat der Spieler drei Waffen die den jeweiligen Kampfstil repräsentieren. Schwert für Nahkampf, Bogen für Fernkampf und ein abgebrochenes Schwert, welches als Dolch fungiert, für Stealth. Diese Waffen können im Verlauf des Spiels mit Runen verstärkt werden, welche Talions Fähigkeiten verstärken oder im Immunität gegenüber Statusveränderungen geben. Werden Runen nicht benötigt können sie gegen Attributpunkte eingetauscht werden und erhöhen so die Lebenspunkte oder die Anzahl an Pfeilen die man bei sich tragen kann.
Die richtig interessanten Verstärkungen kommen jedoch durch das Erlangen von Macht. Tötet man einen Hauptmann oder einen Häuptling steigert man seine Macht und somit auch die erlernbaren Fähigkeiten aus dem Skilltree. Viele Fähigkeiten sind spielentscheidend und verändern das Gameplay nachhaltig. Somit ist es dem Spieler später auch möglich auf einem Caragor oder Graug zu reiten, was großen Spaß bereitet. Gegner lassen sich damit auch leicht niedermetzeln oder einschüchtern, was bei vielen Hauptmännern eine Schwachstelle ist und sie so sofort besiegt werden können.
Neben Caragors und Graugs gibt es noch viele andere Dinge die man zu seinem Vorteil im Kampf nutzen kann. Getränke der Uruks können vergiftet werden, Feuerstellen können explodieren oder ein riesiges Insekten-Nest lässt sie in Angst fliehen.

In the End, it doesn’t even matter
Die Uruks sind in ein 4-Ränge-System aufgeteilt. Es gibt fünf Häuptlinge auf dem höchsten Rang und dutzende Hauptmänner auf den unteren Rängen. Wird man von einem von ihnen getötet, so steigt dieser auf. So kann ein kleiner, unbedeutender Gegner zum Anführer werden. Auch bekommen diese Uruks mehr Stärke und Fähigkeiten, wenn sie einen Kampf überleben. Hat ein Gegner nun überlebt oder den Spieler getötet und man trifft erneut auf ihn, so erinnert er sich an einen und sieht jedes mal etwas anders aus, je nachdem wie der letzte Kampf ausgegangen ist. Dieses System der Ränge macht man sich zu nutze. Schnell schließt sich Talion ein Uruk an und will mit seiner Hilfe Häuptling werden. Dies erreicht man indem man Kämpfe und Aufgaben sabotiert und seinem Uruk beisteht. War man jedoch unachtsam und lässt seinen Uruk gegen einen Hauptmann kämpfen, der die eigenen Schwächen ausnützt, so ist das ganze Sabotieren und Helfen umsonst weil der eigene Uruk stirbt und man neu anfangen kann.

Fazit
Das Spiel bietet etwa 20-30 Stunden irrsinnig abwechslungsreichen Spielspaß und hat einen sehr hohen Wiederspiel-Faktor. Keine zwei Kämpfe wirken gleich und selbst wenn man stirbt, hat man nicht so sehr das Gefühl versagt zu haben, sondern eine neue Herausforderung geschaffen zu haben um seinen Fehler wieder gut zu machen. Das Kampfsystem wirkt ausgereift und gut überlegt und auch die Schleich-Passagen bieten Spaß. Die Geschichte erfüllt ihren Zweck, ist aber nicht überragend, wie man es eigentlich vom Schreiber Christian Cantamessa, der auch Hauptschreiber für Red Dead Redemption war, erwarten könnte. Einzige Mankos sind der noch nicht freigeschaltete Multiplayer, die schlechte Akkulaufzeit des Controllers, weil konstant Sound ausgegeben wird und die etwas schwächere Darstellung von nasser Kleidung. Alles in allem aber ein sehr gelungenes Spiel und ein Must-Have.


ENTWICKLER: Monolith
PUBLISHER: Warner Bros. Interactive
GENRE: Open-World-Action
PLATTFORM: PS4, PS3, Xbox 360, Xbox One, PC