Do, 2. Oktober 2014

Einmal Diktator spielen

Game Rezension: Tropico 5

Auf der Insel Tropico ist alles nur ein großer Witz. Dein Forschungsteam ist inkompetent, dein Diplomat ist ein Snob und dein Radio DJ ist furchtbar schamlos. Aber das stört uns nicht, denn in Tropico 5 nimmt man das alles nicht so ernst. In dem Simulationsspiel, das seinen Witz um eine einfach steuerbare und mit intelligent wachsender Komplexität versehrten Mechanik gewickelt hat, schlüpft man in die Rolle von El Presidente.

Bevor man allerdings den Posten von El Presidente übernimmt, findet man sich anfangs als Gouverneur im Viktorianischen Zeitalter wieder, welcher von der Krone auf eine Insel geschickt wurde. Hier führen wir unsere Untertanen durch den Zweiten Weltkrieg, den Kalten Krieg und andere wichtige historische Momente. Jede Ära bringt ihre Herausforderungen mit sich, denn unsere kleine Insel wird von den Großmächten dieser Welt im Auge behalten und wenn man den Alliierten eine Kiste Bananen zu viel schickt, dann können sich die Achsenmächte schon einmal aufregen
Des Diktators Berater
Aber was uns unsere vertrauenswürdigen Ratgeber ständig klarmachen ist, dass wir allein Tropico zusammenhalten. Und das heißt für uns natürlich alles Notwendige zu unternehmen um unsere Führungsposition zu behalten. Sei es durch Manipulation von Wahlergebnissen, Bestechung von Revolutionen oder dem blutigen Niederschlagen von Aufständen. Das ist nicht immer einfach, denn schließlich geht es hier um das Wohl unserer Bürger, und um unser Schweizer Bankkonto.
Im Laufe der Jahrhunderte kümmern sich ständig Berater um uns, die ausgezeichnete Arbeit leisten, indem sie uns auf leichte und humorvolle Weise Spielelemente erlernen lassen und wir somit das Spiel genießen können. Man beginnt in der viktorianischen Ära, wo uns der Abgesandte der Krone durch unsere ersten Missionen führt, die uns das Sammeln von Ressourcen näherbringen. Um diese Missionen ist immer ein verrückter Plan gesponnen, wie etwa das Errichten des Holzfällerlagers, denn wir müssen dem König Holz liefern, damit dieser den Bau seines Unterwasserpalastes abschließen kann.

Missionsziele helfen uns dabei, unsere Insel zum Wohlstand zu führen.
 
Missionen, die uns beauftragen ein Gebäude zu bauen oder eine Aufgabe zu erfüllen, sind während des Spielens allgegenwärtig und prägen den Stil von unserer Nation, denn die Anfragen und Bittstellungen unserer Verbündeten und Vertrauten können genauso gut ignoriert werden. Während man anfangs nur darum bemüht ist, keine Schulden zu haben und seine Bevölkerung glücklich zu halten, wird man im Laufe der Gezeiten seinen Fokus darauf legen, eine High-end Touristenfalle zu werden oder etwa der weltgrößte Exporteur von Zigarren und Rum. Die Arten von Missionen, die für uns ausgewählt werden, sind bei jedem Mal Spielen anders und helfen uns unsere Insel so zu formen, wie wir es uns vorstellen.

Unser liebster Vertrauter, Penultimo, weiß immer wie man Probleme beseitigt.
Jede Mission bringt auch politische Konsequenzen mit sich. Üblicherweise ist es ein Ausgleich zwischen dem Besänftigung einer Fraktion und dem Erzürnen der anderen. Beispielsweise könne man sich auf die Seite der Krone stellen und die Revolutionäre ignorieren, oder die Achsenmächte den Alliierten bevorzugen. Aber es geht letztendlich nicht darum, jeden zufriedenzustellen, sondern nur um an der Macht zu bleiben. Für immer. Also haben wir immer die Wahl uns für die Fraktion zu entscheiden, die uns gerade dabei am meisten behilflich ist.
Während uns simple Missionsdesigns, detailreiche Visualisierung und Entscheidungsvielfalt ein entspannendes Spielvergnügen bieten, ist es jedoch der Witz – der Aspekt von Tropico 5, der den Vogel abschießt. Von der Formulierung der Konstitution unserer Insel bis hin zu dem Geschwätz unserer Radio DJ, der Humor ist allgegenwärtig. Und während manche Missionen ein einziger „Witz“ sind, gibt uns das Spiel immer genug Information, so dass wir uns nicht in einem Labyrinth von Untermenüs verlaufen müssen.
Immer das Budget berücksichtigen
In Tropico 5 verdient man Geld nicht mehr in einer konstanten Frequenz, sondern gleich in einem riesigen Batzen. Und zwar immer dann, wenn ein Handelsschiff am Hafen anlegt. Schwer genug sich zu beherrschen und nicht gleich alles gleich für Gebäude oder Inselverbesserungen auszugeben. Deine Bürger werden dich dafür lieben, aber man fällt somit auch schnell in ein schweres Schuldenloch. Einfach der Bevölkerung weniger Nahrung zur Verfügung stellen, um Geld zu sparen? Und schon findet man sich in einem wundervollen Teufelskreis.

Tropico 5 zeigt uns, wie man ganz einfach Leute beherrschen kann
Egal ob man die vielen Sandstrände von Tropico 5 nun alleine oder online mit bis zu drei anderen Spielern genießt, liefert einem das Spiel immer eine gute Balance zwischen Stil und Inhalt, die für alle Arten von Strategiefans leicht zu verdauen ist. Der ständige Machtkampf zwischen verschiedenen Fraktionen des Spiels – sowohl intern als auch international – erzeugt eine sich ständig verändernde Herausforderung für uns als El Presidente zu bewältigen gilt, entweder mit Gewalt oder Beschwichtigungspolitik. Und während der Rest der Welt sich in Kriegen selbst zerstört, lassen wir es unseren einfältigen Tropenbewohnern gut gehen und genießen es zu verfolgen, wie dabei unsere kleine Tropeninsel aufblüht.

 


ENTWICKLER: Haemimont Games
PUBLISHER: Kalypso Media
GENRE: Strategie
PLATTFORM: PC, Mac, Xbox 360 (November 2014), PS4 (Jänner 2015)