Zwei miteinander historisch verwickelte, sich großteils musikalisch überlappende Schwerpunkte kennzeichnen das in Kooperation mit dem Polnischen Institut Wien stattfindende skug #100-Festival im Wiener Fluc: Subkulturelle Sounds aus Polen sowie Konzerte von MusikerInnen der zweiten bzw. dritten Generation nach der Shoah.
Musikerinnen der jungen Frauenband Drekoty aus Warschau sind auch in der jüdischen Surf-Rockband Alte Zachen engagiert und entwickeln ein spezielles Programm für das skug Jubiläumsfest im Wiener Fluc.
Juun/Maren Rahmann
Eine einmalige Gelegenheit und ein Experiment: Maren Rahmann tönt Texte von widerständigen oder vor dem Nationalsozialismus geflüchteten Frauen, Frauen in Bewegung, Juun vertont diese mit atonaler Musik anhand Pianoguts, den Innenteilen, den Innereien von Klavieren. In einer Auswahl von Texten von u. a. Marscha Kaleko, Else Lasker-Schüler, Annemarie Schwarzenbach, Nelly Sachs, Elfriede Gerstl bzw. Ingeborg Bachmann.
Besetzung: Maren Rahman ? Stimme, Juun ? Pianoguts.
www.juun.cc
Tomek Mirt/Ter
Soundbastler Tomek Mirt errichtet mit seinem Modularsynthesizer stimmige Ambientkathedralen, die näher am Soundtrack als an Noise sind. Sein Können hat er zuletzt auf den lässigen CDs »Rite of Passage« und »Fingerprints« unter Beweis gestellt. Zu Drones verschmolzene Rhythmen, Zeitlupenloops und schummrige Arpeggios lassen seine Tracks zwischen Tiefseegeflunker und Second-Hand-Vodoo oszillieren. Ein Gig zum Eintauchen in Sound & Vision.
Komora A
Die drei (bei uns praktisch unbekannten) Polen Jakub Miko?ajczyk, Karol Koszniec und Dominik Kowalczyk, erweisen sich als fröhliche Meister der düsteren Elektroakustik. Es wabert, es grammelt, es knackst und knirscht. Man imaginiert verlassene Fabriksgelände, landende UFOs, ein Radio auf Sendersuche, den angsterfüllten Schrei eines Roboterschmetterlings. Das besondere an Komora A ist, dass ihre Musik, trotz der Abstraktheit, einen warmen, analogen Touch hat. Kein Wunder, dass ihr letztes Album auf Musikkassette erschienen ist. Nichts ist heimeliger als samtiges Dolbyrauschen. A Post-Industrial-Ambient-Show.
Barbez featuring Pamelia Kurstin
Die neue Platte von Barbez aus Brooklyn konzentriert sich auf das musikalische Erbe der rumänischen Juden und auf den italienischen Widerstand in der Zeit des Nationalsozialismus. Ein trauriger, aber zugleich aufmunternder Hit ist das titelgebende »Bella Ciao«, den die PartisanInnen sangen, und der für die nächste Generation neu interpretiert wird. Auf John Zorns Label Tzadik zu veröffentlichen, ist sowieso eine Ehre. Die Songs auf »Force of Light« (2007) komponierte Gitarrist und Bandleader Dan Kaufman nach Gedichten von Paul Celan. Bereits 2005 arbeiteten die New Yorker mit der Theremin-Spielerin Pamelia Kurstin zusammen, die vor kurzem mit ihrer Band Blueblut ein fulminantes Konzert im Salon skug gab. Barbez wird in Wien, mit Kurstins Unterstützung, ein spezielles Programm zum Festival-Thema fahren. Dan Kaufman ist ein typischer Vertreter der Punks der zweiten Post-Shoah-Generation, die später nach anderen musikalischen Wegen suchten, um Leid und Hoffnung auszudrücken ? a rich, indescribable ? yet beautiful ? sonic tapestry that alternates between passages of quiet intensity and passionate fury.
Djs: Georg Schneider, IZC, Boris