2011
06
Samstag August

Platania: Mäuse + Filou

Flucc Praterstern 5, 1020 Wien
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Einlass: 18:00 Uhr Beginn: 21:00 Uhr
Gratis Eintritt!
  • Mäuse
  • Filou

FLUC.SOMMER.FEST.

MÄUSE

Im drückend heißen Sommer 1994 nahmen Gerhard Potuznik und Tex Rubinowitz ohne Plan eine Platte auf, sie nannten diese Platte MÄUSE, die auf Empfehlung des Superstars Falco auf dessen Label Gig Records landete, und mit 171 verkauften Einheiten der größte Flop jenes Labels werden sollte.
Die Mischung war einfach zu seltsam, zu spröde, schwer nachvollziehbar, zu unheimlich, weder lustig, noch irgendwie modern, niemand hat sie verstanden, zB das stampfende Technoungeheuer “Horst Buchholz: Le tout est de trouver une diversion à son ennui”. SPEX Redakteur Hans Nieswandt verglich in seiner Ratlosigkeit dies hybride Werk mit dem Ouevre von Renée & Renato und jenem von Alfred Schnittke, womit er nicht ganz Unrecht hatte, bedauerlicherweise hat er ihren größten Einfluss, nämlich die Spacerocker Lothar and the Hand People überhört..

Dass Koryphäen später von der längst vergriffenen Platte raunten, sie hätte das Genre Electroclash erfunden, und Peaches klänge ohne sie nicht wie sie später klang, das kann man alles nicht beweisen, ist aber evident.
Leider haftete ihnen fortan der denkbar dämlichste Name an, den man einer Band geben kann, dabei war das doch nur der Titel der Platte.
Zwei weitere Platten folgten, bei Patrick Pulsingers und Erdem Tunakans Label Cheap Records, das Label wurde kleiner, aber die Verkäufe größer, satter, die Ernte konnte eingefahren werden.
Potuznik und Rubinowitz tourten als MÄUSE konstant, in ganz Europa, Vorgruppe für Melvins, Faust, Alan Vega, Goldene Zitronen, Tulip die singende Tulpe, aber 1999 lösten sie MÄUSE auf, und gründeten stattdessen das Label Angelika Köhlermann, um die ermüdende Tourroutine zu beenden, und Musik einfach nur noch zu delegieren.

2009 begannen sie wieder aufzutreten, diesmal mit Philip Quehenberger (org) und Didi Kern (dr) als erfahrene Musiker, die den Songs mehr Druck und Dringlichkeit geben, man trat auf Festivals auf, auch im Palais de Tokyo in Paris vor tausend Gästen. Man wurde mit Weinflaschen und Camemberts beworfen, gibt´s eine größere Ehrbezeugung?
Ende 2010 nahmen Potuznik und Rubinowitz erstmalig nach 14 Jahren wieder etwas auf, zunächst eine auf 999 Exemplare limitierte EP mit 5 Stücken, der irgendwann im Jahre 11 eine ganze CD folgen soll, die dann heißen wird: DAS JUDASEVANGELIUM

FILOU

Filou, ist die “Entdeckung 2011” von Problembär Records.
Die Band, rund um den gefeierten Jung-Autor Lukas Meschik (“Anleitung zum Fest”/Luftschacht Verlag) hat etwas eigenes, etwas das sie abhebt ohne das sie von Musikstil (treibender Indie-Rock) oder Besetzung (Gitarre, Klavier, Bass, Schlagzeug) irgendwas ungewöhnliches macht; aber wiedermal (man vergleiche nur mit Der Nino aus Wien oder Parkwächter Harlekin) sind es die Texte, um nicht zu sagen Gedichte und wie sie interpretiert werden…
Wiener Smiths nullelf ist möglicherweise zu weit hergeholt, aber ich seh in Lukas` Texten auch so eine Art von richtungsloser Teen Angst mit fast schon altkluger Weisheit gepaart; dieses ganze Gefühlswirrwarr wie beim jungen Morrisey und dahinter die gut eingeölte Band die spielen kann, es mit der Virtuosität aber Gott sei Dank nicht übertreibt, also immer unmittelbar und direkt genug bleibt um uns emotional mit voller Härte berühren zu können.
Oder doch Ja, Panik ohne Drogen und (Pseudo-)Intellektualität [und ich mag Ja, Panik durchaus, nicht falsch verstehen]? keine Ahnung, was spielt`s auch für eine Rolle?

Im Grunde ist das hier wie oben erwähnt was ganz eigenes, und genau das macht es dann wohl auch aus, macht Filou zu einer der aufregendsten jungen Bands die es momentan in Wien gibt, macht das Debüt-Album “Show” zu einer der aufsehenserregendsten Talentproben, die mir seit “The Ocelot Show” von der Nino aus Wien untergekommen ist… macht Sinn, hier & jetzt!
Wer die Chuzpe hat als (noch) völlig unbekannte, nicht einmal von den obskursten Bloggern vorab gehypte Band den Kritikern ein Debüt-Album mit 18 Songs vor den Latz zu knallen ist entweder strohdumm, weil er die Mechanismen des Pop-Geschäfts 2.0. nicht verstanden hat oder verfolgt ein Konzept, eine klare Vision; bildet sich in diesem schnellebigen Durchlauferhitzer namens Gegenwart ein, gekommen zu sein um zu bleiben.
Mein Plan als Labelmensch elf oder zwölf Songs zu einem schlanken, homogenen, leicht verdaulichen Longplayer zusammen zu fassen, wurde jedenfalls nach kurzer Bedenkzeit von Mastermind Lukas abgelehnt. Zu sehr würden diese achtzehnSongs für ihn, den bereits als erfolgreichen Schriftsteller durch einschlägige Feuilletons gereichten und somit im Kampf Kunst gegen Kommerz geeichten Jung-Autoren, ein zusammenhängendes Ganzes, eine Art Manifest seines schreiberischen Status Quo ergeben… in all seiner lyrischen Ernsthaftigkeit, die anders als beim Nino aus Wien kein Augenzwinkern zulässt, sei kein Platz für spekulatives heischen auf die Gunst journalistischer Aufmerksamkeits-Spannen.

Wer sich durch “Show” jedenfalls nun durchkämpft, sich auf diesen 72 Minuten Trip einlässt, wird belohnt werden; er wird Lukas und seinen Gedankenwelten näherkommen, ähnlich wie nach der Lektüre einer gelungenen Novelle, hat man den Helden auf seiner Reise durch viele, viele Meta-Ebenen begleitet, hat seinen Hass und seine Liebe geteilt von seinem Zorn und seiner Lethargie genascht, sich vielleicht sogar das ein oder andere Mal in ihm wiedererkannt…
Musikalisch aufbereitet wird diese Reise mit karger Schönheit; quasi live im Studio in Albern von Patrick Sischka (mob, Der Nino aus Wien) produziert.
Ganz bewusst ohne Gast-Musiker eingespielt ist “Show” eine Wundertüte kraftvollen Indie-Rocks; ein Füllhorn mitpfeiftauglicher Melodien und aus dem Ärmel geschüttelter Hooklines… ein Album, das sich nicht um Hits zu scheren scheint, aber dennoch vollgestopft ist mit Hits, Hits, Hits und noch mehr Hits.
Für die Vorab-Single einigte man sich auf den Opener “Nach Zehn”, aber auch Tracks wie “War gar nichts”, “Oh Oh Oh”, “Wir stossen an” oder der hymnische “Blaue Song” würden wohl jeder Indie-Disco zur Ehre gereichen…

FREIWILLIGE SPENDE

PLATANIA – die fluc-Sommerwoche

Mo/1/8: Special-Surprise-Act!

Di/2/8:
YO!MAJESTY in der fluc_wanne: Derzeit HipHop´s Finest mit 80s-Appeal, das mehr als nur heteronormative Grenzen aufsprengt. Danach After-Party mit den quote-DJs.

Mi/3/8:
AIDS WOLF im fluc oben. Die schräge kanadische Band mit dem sonderbaren Namen geistert seit einigen Jahren durch die DIY-Zentren Europas. Diesmal ist das fluc dran, wo das Konzert in Kooperation mit den Nerds vom Club d´Hommage bei freiem Eintritt stattfindet.

Do/4/8:
Doppel-Highlight: Während die JUNIOR BOYS in der fluc_wanne Elektro-Pop der Marke ‚New Romantics‘ aus ihren Vintage-Synths kratzen werden, schiebt mit Tim Simenon aka Bomb the Bass eine Produzenten-Legende der 80s und 90s die Regler rauf und runter.

Fr/5/8:
Mit ‚Let the Light In‘ hat die Velvet Underground-geschulte Band M185 kürzlich ein mehr als überzeugendes Debut hingelegt. Live immer wieder eine Offenbarung.

Sa/6/8:
Die seit den 1990er Jahren aktiven Mäuse werden nicht nur Quehenberger/Kern als Verstärkung mithaben, auch der charmante Problembär-Neukommer-Act Filou hat es faustdick hinter den Ohren.

So/7/8:
MIZGEBONEZ: HipHop made in Vienna. Nicht als Abklatsch gängiger Klischees, sondern vielmehr als Satire samt eigener Kunstsprache angelegt.

Mo/8/8:
Psychedelischer Krach und Kraut/Psy-Rock treffen sich bei ONEIDA aus Brooklyn gerne in der Mitte, um dann dort aus der Haut zu fahren. Mit neuem Album im Gepäck.

An allen 8 Tagen gibt es jeweils ab 18.00h eine Holzkohle-Grillerei mit vegetarischen, veganen und fleischlichen Speisen. Ebenso als Special das schon erwähnte Bier Platan aus Tschechien. Die Konzerte sind teilweise bei freien Eintritt, teilweise auf Spendebasis, teilweise gratis.