2023
02
Donnerstag März

John Cale presented by The Nova Jazz & Blues Nights

Porgy & Bess Riemergasse 11, 1010 Wien
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Einlass: 19:30 Uhr Beginn: 20:30 Uhr
John Cale am 2. March 2023 @ Porgy & Bess.

Was hat John Cale, was der Rest von uns nicht hat – ein Gen, das unendliche Rastlosigkeit hervorruft, einen räuberischen Geist, der nie zufrieden ist? Seit fast 60 Jahren, oder zumindest seit er als junger Waliser nach New York zog und The Velvet Underground gründete, hat Cale seine Musik mit verblüffender und inspirierender Regelmäßigkeit neu erfunden. In jenen frühen Tagen, als sich der Rock ’n‘ Roll grundlegend veränderte, spielte er auch ekstatische Bratschen-Drones und war Mitglied des epochalen Ensembles von La Monte Young.

Auf den betörenden Kammerfolk von Paris 1919 folgte sofort der knorrige Rock von Fear, auf den provokanten und sparsamen Liederzyklus Music for a New Society folgten mehr als 30 Jahre später mächtige und unverfrorene elektronische Updates. Gibt es zwischen den Kollaborateuren Lou Reed und Danger Mouse und Sharon Van Etten oder zwischen der New Yorker Avantgarde der 60er Jahre und der Internet-Avantgarde der Gegenwart noch andere direkte Linien als die von John Cale?

Während „STORY OF BLOOD“, nachdem das heilige Klaviervorspiel einem rahmenden Beat und Synthesizern weicht, die sich anfühlen wie Sonnenschein auf einem Schneefeld, gleiten die Stimmen von Cale und Natalie Mering von Weyes Blood aneinander vorbei, zwei Phantome, die versuchen, inmitten des modernen Lärms einen Partner zu finden. „Swing your soul“, singen sie beide in ihrem Bestreben. In der letzten Strophe erinnert sich Cale daran, dass es in diesem Leben nicht nur um ihn selbst geht.

„I’m going back to get them, my friends in the morning“, seine Stimme bietet die Worte wie eine Heilige Schrift. „Bring them with me into the light.“ Das ist es, was MERCY tut – eine transformative Art der Existenz vorschlagen, in der das eigene Alter oder die Malaisen der Welt nicht die Fantasie, die Intrigen oder die immerwährende Suche nach Heilung ausschließen. Es kommt zurück, um uns zu holen. Wenn es MERCY ist, die John Cale will, dann hat er sie nicht nur durch diese 12 Songs geschaffen, sondern auch durch ein Leben der ständigen Selbsterneuerung.