2008
07
Freitag November

IO

Avalon Exil stadtgraben 17, 3500 Krems
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Einlass: 19:00 Uhr Beginn: 20:00 Uhr
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IO “For The Masses”
Vorgeschichte. Erfolge, Enttäuschung, Neubeginn.
Deutschland war geschockt. Deutschland bedauerte und beklagte Ende 2003 die Auflösung der erfolgreichsten heimischen Alternativerock-Band aller Zeiten. Die Guano Apes hatten sich überlebt, die Summe der Teile bildete keine Einheit mehr, sondern stieß sich ab. Eine Ära ging zu Ende, auch für die deutsche Rockmusik. Denn die Guano Apes hatten bewiesen, wie man über Jahre und mehrere Alben mit aufrichtiger, energetischer Rockmusik außergewöhnliche Erfolge feiern kann. Das Abschiednehmen fiel nicht leicht – weder den Fans noch der Band. Und doch wohnt jedem Ende ein neuer Anfang inne. Doch was kam dann? Bassist Stefan Ude zeugte Kinder und genoss ein aktives Privatleben, Drummer Dennis Poschwatta trieb sein eigenes Musikprojekt Tamoto voran, und Gitarrist Henning Rümenapp kümmerte sich um den künstlerischen Nachwuchs, unterstützte Musikförderprojekte, betätigte sich als Juror und dozierte in Coachings über die Musik und ihre Branche. Gute Beschäftigungen allesamt – für Blutsmusiker aber nicht ausfüllend.
Die Geschichte wird fortgeschrieben. Die Kraft der Gegensätze erhebt sich.
So fanden sich die Drei gerade mal drei Monate nach dem offiziell verkündeten Split erstmals wieder gemeinsam im Studio ein. „Wir haben dabei überhaupt nicht an eine neue Band gedacht, sondern hatten einfach Bock, was zu machen“, sagt Henning. Danach gab es immer wieder Auszeiten und Begegnungen, locker fließende Kreativität und den Rückzug ins Private. Bis Dennis 2006 auf einer Veranstaltung im Rahmen der Frankfurter Musikmesse auf den Soulsänger Charles Simmons stieß, einen 1991 nach Deutschland emigrierten Ami, der bereits in zahlreichen Black Music-Projekten Erfolge und Erfahrungen sammeln konnte – so unter anderem als Teil der 3P-Posse um Moses Pelham. Die beiden kamen ins Gespräch, und Charles gab zu, dass „ich nach all den Club- und Black Music-Projekten große Lust hatte, mal etwas mit viel Energie und Druck zu machen. So richtig in your face.“ Damit war er bei den anderen Drei gut aufgehoben. iO waren geboren. Wie gut diese Melange der Gegensätze funktionierte, belegten in bestechender Form auch die gut 50 Konzerte, die iO seitdem spielten. Konzerte, die sich wiederum auf das nun vorliegende Debütalbum auswirkten. Ihre Musik ist beseelt von großen Spannungsbögen, lebt von einer intensiven Live-Energie und druckvollen Präzision. Die drei Instrumentalisten, die, wie Henning sagt, „über die letzten eineinhalb Jahrzehnte wie Brüder, wie eine Familie wurden“, sind absolut perfekt aufeinander eingespielt. Sie kennen das Spiel mit Dynamik, Intensitätsschwankungen und kontrollierten Brüchen. Und so geben Henning, Dennis und Stefan ihrer ‚neuen’ Stimme Charles enorm viel Raum, ihre ganze Pracht zu entfalten. Jener beweist, was in ihm steckt: Von fragilen Momenten zarter Sinnlichkeit bis zur massiv rausgeshouteten Message geht die stimmliche Reise – eine musikalische Reise durch den tighten Rock, wie man sie heute nur selten hört.
Das Happy End: eine neue Band, ein neuer Ansatz. Energie! Aussage!
Überhaupt: die Message – für Henning, Dennis und Stefan ein ganz neues Gefühl, „Teil einer Band zu sein, die mit ihren Texten klare politische Statements trifft“, so Stefan. „Die Apes waren immer eine eindeutig unpolitische Band. Charles hingegen brennen Themen unter den Nägeln, die er transportieren möchte. Natürlich haben wir anfangs ausführlich darüber gesprochen, ob wir seine Aussagen mittragen können. Können wir. Also war es für uns keine Frage, dass wir diese neue politische Ebene in unserer Musik gern zulassen. Auch das ist ein neues Element, das für uns selbst spannend ist.“ Dabei geht es Charles, wie er beschreibt, „nicht um ein abstraktes Politisieren von Themen, sondern um klare, verständliche und eindeutige Aussagen. Ich sitze an manchen Texten sehr lang – nicht, weil ich nach einer Aussage suchen würde, sondern nach den simpelsten und klarsten Worten, die diese Aussage stützen. Ich wünsche mir, dass der Hörer versteht, was ich sagen möchte, und nicht ewig rätselt, worum es überhaupt geht.“ Das belegen schon Songtitel wie „Stupid People“, „Say Something“, „Rage“, „Fightback“ oder „Attention“ – in all diesen Songs steckt die Kraft des direkten Wortes im Einklang mit perfekt auf den Punkt produzierter, zeitlos druckvoller Rockmusik.
Hintergründe. Never change a winning team!
Jene Produktion besorgte erneut Fabio Trentini, der schon zu Apes-Zeiten an den Reglern saß – und der, so Henning, „über die Jahre tatsächlich wie ein fünftes Bandmitglied wurde. Seit dem Apes-Debüt ist er mit uns im Studio, wir vertrauen ihm einfach. Und er findet auch immer den richtigen Blickwinkel auf jeden Song.“ Und so wurde auch das iO-Debüt in den Horus Sound Studios in Hannover aufgenommen. Dennoch ist iO keine Fortsetzung einer Geschichte mit veränderten Mitteln, sondern eine gänzlich neue Band. Das hört man unmittelbar, wenn man sich ihr Album zu Gemüte führt: Hier ist eine Band am Werk, die eine große Lust und Hingabe an ihre Riffs mit der Bereitschaft verbindet, sich auf neue Wege einzulassen, unbekannte Grenzen kennen zu lernen. Dabei entstand ein bemerkenswert zeitloses, eigenständiges und sich nach keinem Trend richtendes Werk von großer Energie und Dynamik. Dieser unverfälschte künstlerische Ansatz steckt bereits im Bandnamen iO. Wenn man möchte, so Henning, „kann man den Namen gern auf den fernen Jupitermond beziehen; es gibt zahlreiche Deutungsvarianten unseres Namens. Die uns selber aber sympathischste – und wohl auch treffendeste – ist aber die: Vier kleine ‚i’s geben den Input zu etwas Besonderem. Was am Ende dabei entsteht, ist ein großes ‚O’ – der große gemeinsame Output.“ Es ist wieder da: Das Gefühl, dass die Summe mehr ist als ihre Einzelteile.