2019
11
Montag November

Element of Crime

Music Hall Innsbruck Grabenweg 74, 6020 Innsbruck
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Beginn: 20:00 Uhr
Element of Crime am 11. November 2019 @ Music Hall Innsbruck.
  • Element Of Crime

Seit 33 Jahre spielen sie ihre Songs. Und bringen ihre Platten heraus, genauso wie sie sich das vorstellen, eine nach der anderen.

Es gibt wenig Vergleichbares, keine andere deutschsprachige Band, die diese eigenartige Mischung aus Folkrock und Blues, Artrock und Kinderlied, Krachorgie und Schmalzmelodie in die Welt brachte, ohne auch – wie es scheint – nur einen Moment daruber nachzudenken, ob das gerade in den Zeitgeist passt oder nicht, ob das fur neue oder alte Medien taugt, ob das einer versteht, ob sie das uberhaupt selber verstehen, ob das nun traurig oder lustig, hasslich oder schon, Tiefsinn oder Spinnerei ist.

Auf den ersten Blick sieht alles nach Verweigerung aus: Sie weigern sich, immer das Gleiche zu machen und sie weigern sich, sich neu zu er nden. Sie wei- gern sich, sich der Streaming- und Youtube-Landschaft anzupassen. Sie geben ihre Musik nicht fur Werbung her. Sie spielen lieber dreimal im Tempodrom als einmal in der Max-Schmeling- Halle. Sie lassen sich nicht festnageln und so weiter und so fort, man konnte es noch lange fortfuhren, aber das kann das Geheimnis ihres Erfolges nicht sein, das sind alles nur Dinge, die nicht getan werden, aber geliebt wird man nur fur das, was man tut, nicht fur das, was man lasst.

Und so entsteht ein anderes Bild dieser Band: Einer Band, die einen so unverwechselbaren Stil in Sachen Song, Sound und Haltung hat, dass man nur zwei Moglichkeiten hat: Man kann das mogen oder eben auch nicht. Nie sind ELEMENT OF CRIME nur „irgendwie interessant“ oder „auch ganz okay“.

Und da waren wir bei „Schafe, Monster und Mause“. Ist das ein Verweis auf das Vorgangerwerk „Lieblingsfarben und Tiere“? Wohl kaum. Ein Monster ist kein Tier und eine Maus ist keine Farbe. Es ist aber sicher auch keine zufallige Wahl. Es ist der Titel eines Songs auf dem Album, der von Traumen erzahlt, der Welt „hinter geschlossenen Lidern“, in der eigene, andere Gesetze gelten, diktiert vom Unterbewusstsein, kontrolliert und durchkreuzt vom Uber-Ich. Das ist auch eine gute Metapher fur das poeti- sche Prinzip bei Element of Crime: Die musikalische und textliche Arbeit mit Assoziationen, unterbewussten, improvisierten Elementen, das wie zufallige Ineinandersturzen der Stilmittel, das Arbeiten mit und das Durchbrechen von bekannten Mustern, das Kaleidoskop der Klang- farben, Melodien, improvisierten Kakophonien, das ganze psychedelische Instrumentarium, mit dem diese Band seit so langer Zeit ohne mit der Wimper zu zucken hantiert.

„Schafe, Monster und Mause“: Da gibt es Soulballaden wie „Am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang“, Chansons wie „Bevor ich dich traf“, Folksongs wie „Die Party am Schlesischen Tor“, Pubrockkracher wie „Ein Brot und eine Tute“, Desert-Rock-Aufschneidereien wie „Stein, Schere, Papier“ und vieles mehr. Und dann ist wieder alles anders, wenn bei „Am ersten Sonntag“ Jakob Iljas artrockige Kaputtgitarre in den Soloteil sagt, wenn bei „Bevor ich dich traf“ die wienerischen Geigen in die letzte Strophe einfrasen, wenn bei „Die Party am Schlesischen Tor“ eine psychedelisch krachende Blaskapelle durchs Bild wankt, standig Dinge passieren, auf die man nicht gefasst sein kann, Richard Pappik die Tempi verschleppt und beschleunigt, wie es gerade sein muss, mit Rhythmen und Klangfarben jongliert und uberhaupt sein schmutzi- ges Spiel mit einer Rockmusik spielt, die auf dieser Platte immer wieder neu de niert wird und Sven Regeners knarzige Stimme dazu Poesie verteilt, als werfe er Fleischfetzen auf einen Grill aus alten Olfassern.

Musik und Text, da taumeln sie zusammen in die aufgehende Sonne und stutzen sich gegen- seitig wie zwei erschopfte Partyganger nach einer langen Nacht am Schlesischen Tor. Zerzauste Vogel, die von ihren Familien unterstutzt werden, der Hendl-Jahn, eine Gratiszigarre beim Kauf eines neues Lebens, wo Sturme, Blitze und Donner nicht Wetter, sondern ein Arsenal gegen gute Laune sind, die Frau vom Supermarkt, Black Friday beim Sterni im Spati… wer bitte bringt sowas in so wunderbar klingenden Texten unter? „Schafe, Monster und Mause“ ist ein langes, ultrapsychedelisches Album geworden, das langste in der Geschichte der Band. Es ist, als wollten ELEMENT OF CRIME das Albumformat, fur das diese Band von Anfang an wie keine zweite gescha en war, bis auf das Außerste ausreizen, vielleicht ein letztes Mal, man weiß nicht, wie es weitergehen wird damit, die Welt verandert sich