georgustav
georgustav beweist auf seiner vielfarbigen Debüt-EP »nichtsmehrda«, dass Lieder über Liebe, partnerschaftliches Stürzen, Schuldgefühle, Verlust und Entfremdung völlig anders klingen und nachwirken können als klassisch-erwartbare Love- oder Heartbreak-Songs. Seinen Klavierballaden zu lauschen, ist wie einem langjährigen, eng vertrauten Freund zuzuhören. Wer sich auf georgustavs Songs einlässt, kann schnell das Gefühl bekommen, die emotionalen Achterbahnfahrten des dreiundzwanzigjährigen Wieners in voller Intensität nachfühlen, ihn wie einen Gedankenverwandten verstehen, seine Zerrissenheit in der eigenen Brust spüren zu können.
georgustav zählt nicht umsonst zu den vielversprechendsten Newcomer*innen der deutschsprachigen Indiepop-Landschaft. Kaum ein Artist seiner Generation seziert seine eigenen Herzbewegungen und die damit einhergehenden Prozesse verblühender Liebe so präzise und mitreißend, so gnadenlos ehrlich und emotional reif wie er. georgustavs gefühlvolle, spürbar ungefilterte Poesie ist Lebensratgeber, Schulter zum Anlehnen und Spiegel zugleich – weil er ein Suchender ist wie du und ich. Nicht selten einsam, fragil oder hoffnungslos; manchmal enttäuscht von der Liebe und zur Ablenkung mit Freunden über »unwichtigedinge« sprechend; dann wieder nüchtern-sarkastisch und mit ansteckendem Lächeln in Richtung Zukunft blickend. In georgustavs großen wie zarten, oft dramatischen aber niemals kitschigen Balladen treffen gefällige Hit-Melodie auf abgründig-kratzigen Off-Pop-Charme. Schmiegsames Klavierspiel, unaufdringliche Streicher, dezente Synths und gelegentlich einsetzende Drum-Beats übertönen zu keinem Zeitpunkt georgustavs unnachahmlich bogige, ungewöhnlich getaktete Stimme, die mal brüchig-geknickt, fast schluchzend und mal raumfüllend ermutigend nachhallt.
georgustav weiß das Leben samt all seiner Facetten in Musik zu übersetzen – und das seit seiner Kindheit im zweiten Wiener Bezirk. Elterliches Wohnzimmer voller Schallplattenregale, Klavierunterricht, Schulband, Chorprobe, Cafe-Kultur: Wo georgustav war, waren die Melodien stets unüberhörbar. Seine Musikerkarriere startete ab 2022 – zwischen Uni-Seminaren, Bar-Schichten und ersten eigens organisierten Solo-Konzerten im Nachtleben der Mozartstadt – eher unprätentiös. Als georgustav 2024 in Do-It-Yourself-Manier seine erste Single »taugenichts« veröffentlichte, ging plötzlich alles Schlag auf Schlag: Unterschrift beim Major-Label FOUR MUSIC, Studio-Sessions mit namhaften Indiepop-Producern à la Markus Wilfinger, Anton Krogmann oder Dennis Neuer, gefeierte Releases Marke »unddieweltgehtzugrunde« oder »hinterdenkulissen«, Shows im Vorprogramm von LEA und Kasi. Seit Mai 2025 hat georgustav sich immer häufiger mit Markus Wilfinger in dessen Studio eingeschlossen und aktiv am ersten Großprojekt seiner jungen Karriere gefeilt – der am 5. Juni 2026 erscheinenden Debüt-EP »nichtsmehrda«.
In intimster Atmosphäre ist ein selbst für georgustavs Verhältnisse intimes, zu Teilen durchaus düsteres Projekt entstanden. Über sieben Akte hinweg erleben wir einen beachtlich reflektierten jungen Mann, der mit schwerwiegendsten Verlusten, mit Weltschmerz, mit Panik, mit Tragödie, mit dem Verlassenwerden vertraut zu sein scheint und dennoch niemals in Selbstmitleid badet. Und einen jungen Mann, der nicht nur auf lyrischer, sondern auch auf musikalischer Ebene binnen kürzester Zeit einen großen Sprung gemacht hat. »nichtsmehrda« fügt der Bedroom-Atmosphäre früherer georgustav-Balladen eine nie dagewesene Breite und Dreidimensionalität hinzu. Speziell im vorderen Teil der Tracklist wohnt dem Soundbild der EP ein außerordentlicher Mut inne – Mut zum Hall, zu kosmisch anmutenden Instrumentierungen, zu experimentellen Drums, sogar zu radikalen Beat-Switches innerhalb von Songs. In der Ohrwurm-Hook des einleitenden »leider«, das in seinem Verlauf an Fülle, Fahrt und Pop-Appeal zulegt, bringt georgustav direkt seine engelsgleiche Kopfstimme zum Einsatz.
Auf die erste Single der Kampagne – das zwischen schleichenden Parts und hämmernden Hooks changierende, um eine Unfallnacht kreisende »gehtsdirwiedergut« – folgt mit »poltergeist« das erste Feature in georgustavs bisheriger Karriere. Den verträumten Refrain dieses ansonsten beschwingten Stückes über alte Geister teilt er sich mit Sängerin Emma Josephine. Danach: »allesohnedich« – der geruhsame, mehrheitlich organisch instrumentierte Mittelpunkt der EP, in dem georgustav erstmals vom gewichtigsten Verlust seines Lebens erzählt. Im episodenhaften, von Walzer-Phasen geprägten Fokustrack »zweitausendachtzehn« fängt er anschließend Fragmente aus einer Zeit ein, die einst unvergesslich schien und inzwischen fast vergessen ist. Zum Finale hin richtet georgustav seinen Blick dann nach vorn: Das schleppende »unwichtigedinge«, das durchaus ironische Züge aufweist und das behagliche, von Streichern verzierte »auchdann« brechen mit der Schwere vorangegangener Stücke, ohne das Rahmenthema der EP überspielen zu wollen: Die Liebe.