Die kleine Bühne sorgt dafür, dass die sechs Mannen von SIGN OF DECAY in wahrsten Sinn des Wortes miteinander harmonieren können. Violinist Raphael, schon von weitem durch blütenweiße Kleidung erkennbar, legt die ersten Takte von ‚Heroin‚ vor, der Rest stimmt ein, das Publikum johlt – so sollte es immer losgehen. Fast ausschließlich Nummern vom aktuellen Album ‚We Don`t Give A Fuck‚ werden abgeklappert, wobei deutlich wird, dass diese Truppe schon einiges an Live-Erfahrung in den Knochen hat. Zumindest in den vorderen Reihen geht ordentlich die Post ab, vor allem die Ballade ‚Out Of Control‚ und ‚Burn The Roses‚ kommen besonders gut an. Wenn man unbedingt ein Haar in der Suppe finden will, dann dass mit ‚Lügengott‚ und ‚Hero‚ zwar zwei Klassiker, aber nicht unbedingt zugabentaugliche Stücke den Weg ins letzte Drittel der Setlist gefunden haben. Aber das großartige ‚God Is Dead‚ (gegen Ende lautstark von einigen Getreuen gefordert) lässt alles wohlig ausklingen.
Das Waldviertel ist eine malerische Gegend im nördlichen Österreich, geprägt durch ländliche Strukturen. Und unglaublich aber wahr – ausgerechnet in diesem malerischen Landstrich hat sich 2003 eine Truppe gebildet, die, und das ist ohne Übertreibung festzustellen, die metallischen Grenzen gehörig verschiebt und auf ihrem immerhin schon vierten Album unter dem doch leicht abgehalfterten Titel „We Don’t Give A Fuck“ 14 Nummern serviert, die weitaus mehr bieten, als der Plattenname vermuten lässt. Das Sextett öffnet sich stilistisch sehr weit, auf gesanglicher Seite findet sich ein irrer Mix aus Klargesang, Sprechgesang und Growling. Als sei das noch nicht genug, kredenzen die Jungs fast alle Nummern mit einem Violinchen – „We Don’t Give A Fuck“ ist ein gordischer Knoten metallischer Natur. Melodiös, treibend, schwermütig und weil’s so lustig ist kräftig „KORNig“ (als letztgenannte noch musikalisch was zu bieten hatten); so vielfältig die einfließenden Elemente, so abwechslungsreich die Stimmungslage der einzelnen Tracks. Leider birgt dieser Sammelsuriums-Stil so sein Tücken, qualitativ sind teils große Unterschiede zwischen den Nummern und die Gesamtkomposition ist mit „gewöhnungsbedürftig“ sehr gut umschrieben. „Suicide“ zum Beispiel kann mit dem Rest weitaus nicht mithalten, auch textlich sind keine lyrischen Meisterwerke zu erwarten. Aber was wichtiger ist: Hier wird ein eigener Weg beschritten, Vergleiche mit anderen Bands wollen mir nicht in den Sinn kommen und SIGN OF DECAY klappern ihr Programm mit schon fast professioneller Routine runter. Highlights auf dem Silberling sind „Burn The Roses“, „Heroin“, „Whatever You Want“, die Ballade „Out Of Control“ und „God Is Dead“, wobei aus dieser Aufzählung wiederum der Opener „Burn The Roses“ hervorsticht – das ist nämlich einer dieser hinterlistigen Ohrwürmer, die die Qualität haben, einem tagelang im Hinterstübchen herumzuschwirren. SIGN OF DECAY sind vorbehaltlos allen zu empfehlen, die keine Berührungsängste mit Stilmixerei der schrägeren Sorte haben, vor allem live ist die Empfehlung noch deutlicher auszusprechen. Großartig!