Do, 8. Februar 2018

Kubus, Lukullus Und Ljubljanica

The Hitchhiker's Guide To Europe #7

Meine schweigsame Chauffeurin hatte mich im Zentrum vor einem Bürogebäude abgesetzt. Sie blinzelte zum Abschied und wurde gemeinsam mit anderen Drohnen vom dunkel gähnenden Loch, das hinter die Fassade in die Arbeitswoche führte, verschluckt.

Ich blickte die Glasfront empor, die sich da vor mir aufbaute, in deren grauen Bauch meine Fahrerin soeben verschwand und wohl schon verdaut wurde. Die frühe Augustsonne brach sich an den schwarzen Fenstern. Vergeblich war ihr Versuch, Licht ins Finstere auf der anderen Seite des enormen Spiegels, der mir verzerrte Versionen der Stadt hinter mir zeigte, zu bringen. Zu meinem Leidwesen würde sie sich heute mit furioser Hitze dafür rächen. Davon kündeten zur frühen Morgenstunde die durchaus ambitionierten Temperaturen, die ich schon jetzt als völlig deplatziert empfand. Der grelle Sonnenglast, vom gläsernen Kubus zurückgeworfen, schmerzte in meinen Augen. Hinter der glühenden Oberfläche war eine andere Welt. Stockwerk für Stockwerk die farblose Kopie des Gleichen. Die fortdauernde Wiederholung der Negation von Endlichkeit. Der Äon des Trotts. Mein Weltgebäude jedoch war hier draußen. Mit rinnenden Augen wandte ich mich ihm zu.
Das war also Ljubljana. Ich ignorierte das Winseln meiner Gedärme und spazierte mit meiner Sporttasche in der linken Hand zum Flussufer. Es lag auf der anderen Straßenseite, gleich gegenüber des Glaskubus. Die Ljubljanica mäanderte gemächlich durch die Stadt. Ich folgte ihr. Vorbei an in Würde gealterten Stirnseiten, sie waren meist hell, in weißen, grauen, gelben oder blassroten Farbtönen gehalten, schlenderte ich in den Tag. Die kühle Luft in der Nähe des Wassers war meine Freundin. Ganz so wie Ljubljanica und ihre Ufer. Alles schien freundlich hier. Die steinernen Brücken, die über den Fluss führten, waren an ihren Brüstungen mit roten Blumen verziert, die beiden Ufer von hängenden Bäumen gesäumt. Als hätte der Fluss auf diesen Wandersmann gewartet, sich für ihn fein herausgeputzt. Ein gutmütiger Sonnenmorgen war gerade im Begriff, mich zu umarmen. Ohne Ziel und ohne Gedanken ging ich Hand in Hand mit Ljubljanica den Stunden meiner Zeit entgegen.
In der Altstadt angekommen, auch sie war aus hellen Steinen gehauen, führte mich ein schmales Gässchen, das extra für mich mit Kopfsteinpflaster ausgerollt worden war, an immer kleiner werdenden Häusern vorbei, hin-auf zu einem Café, das ebenfalls nur für mich justament eröffnet hatte. Teil dieses pittoresken Idylls geworden, auf einem gusseisernen Stuhl an einem Tisch selber Machart sitzend, bestellte ich so mein erstes slowenisches Frühstück. Die tropfende Krainerwurst mit Käsefüllung, dazu etwas Vergilbtes, es war wohl Senf, und eine schon fast zu Staub verfallene, furztrockene Semmel überraschten mich etwas. Egal. Ich spülte das Zeug mit einer Flasche Laško hinunter und zündete eine rote Chesterfield an. Aus dem einst kläglichen Jammern wurde nun schallendes, ja boshaftes, hallelujatisches Gelächter. Mein Magen- Darm-Trakt war endgültig am Verzweifeln. In höchster Not rettete ich mich aufs Klo.