Mo, 12. Feb 2018

Alles muss zurück - Lost Sphear

Ein JRPG, das an die Klassiker der 90er erinnert, sollte es werden. Dieses Ziel hat Lost Sphear im Großen und Ganzen erreicht – mehr aber auch nicht.

[/link] Einfach und schlicht präsentiert sich Lost Sphear.

Die generische Welt von Lost Sphear

Protagonist Kanata erwacht zu Beginn des Spiels in seinem Heimatdorf und geht zusammen mit Kindheitsfreundin Lumina auf das erste Abenteuer. Locke – ebenfalls Kindheitsfreund – soll gefunden werden. Ihn findet man schlafend mit dem Gesicht nach unten im See, der Hunger hat ihn müde werden lassen. Nach einer schnellen Rettung tritt er auch der Gruppe bei. Die Situation soll humorvoll sein, aber schon hier war ich nicht mehr von der Atmosphäre überzeugt. Kurz darauf verschwindet das Dorf, und noch kürzer darauf bringt Kanata es zurück. Spannung baut sich so nicht auf. Auch die Charaktere existieren die meiste Zeit einfach, und zeigen nur hin und wieder ihre Persönlichkeit.

In der Welt von Lost Sphear verschwinden generell immer mehr Dinge und Personen, und anscheinend nur Kanata kann dies rückgängig machen. Eine Spielmechanik die interessant klingt, im Endeffekt aber nur darin ausartet, dass man verschiedene Erinnerungen einsammelt (durch Kämpfe und/oder Dialoge) und diese einsetzt, um das Verlorene wieder zurückzubringen. Der primäre Konflikt des Spiels artet damit in eine Reihe von einfallslosen Fetch Quests aus, die so uninteressant sind wie nur irgendwie möglich. Meistens muss man nicht einmal lange suchen: die Monster, die man auf dem Weg zu einem verlorenen Objekt besiegt haben genau die Erinnerungen, die benötigt werden, was alles noch mehr ad absurdum führt.

[/link] Einfach mal alles hier zurückbringen.

Mit Anlauf

An bestimmten Punkten kann man die Erinnerungen auch einsetzen um Artefakte zu bauen, die diverse Effekte auf das Spielerlebnis haben. Dies rangiert zwischen uninteressant aber praktisch, wie etwa schnelleres Gehen auf der Weltkarte, und fast verpflichtend, etwa Buffs für Kämpfe. Denn gekämpft wird viel, und selbst einfache Gegner halten locker mehrere Schläge aus. Außer man verwendet das Momentum-System mit vollen Buffs. Das Kampfsystem ist ein Mix aus rundenbasiert und Echtzeit, man kann sogar selbst einstellen wie hektisch alles sein soll. Wählt man eine Aktion für einen Charakter aus kann man diesen dann beliebig positionieren, um etwa mehr Gegner zu treffen. Je weiter ein Charakter dabei von seiner Ursprungsposition geht, desto mehr lädt sich der blaue Kreis um das Portrait auf, zusätzlich zu dem Zuwachs der Aktion selbst.

[/link] Richtig positioniert haut Kanata sowohl den Buplin als auch den Chaplin.

Füllt sich der blaue Kreis erhält der Charakter einen Momentum-Punkt, von denen bis zu drei aufgespart werden können. Und um diese Punkte dreht sich der Rest des Kampfsystems. Man kann Angriffe verstärken indem man einen Punkt aufwendet und während der Animation eine Taste drückt, diverse Konter aktivieren sich automatisch wenn man genug hat und so weiter. Sogar die Charakterentwicklung ist damit verknüpft, denn man kann Fähigkeiten erweitern indem man etwa Feuerschaden hinzu gibt. Setzt man diese Fähigkeit im Kampf ein und verstärkt sie mit Momentum so kann man passive Fähigkeiten freischalten, wie etwa einen Brandeffekt. Und wenn das alles etwas überladen klingt – ist es. Nicht nur, dass alle Menüs ziemlich lieblos und karg aussehen, die meisten Informationen sind schlichtweg nicht verfügbar, und so kombiniert man verschiedene Fähigkeiten in der Hoffnung, dass das richtige dabei herauskommt.

Oder man lässt es einfach und spielt, ohne sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Dann kann man wenigstens die Handlung genießen, die immerhin später gut wird. Zu spät für meinen Geschmack, und das sage ich als jemand, der Final Fantasy XIII mag.

[/link] Manchmal kann Lost Sphear wirklich gut aussehen.

Einer meiner Hauptkritikpunkte an Lost Sphear ist auch wie unspektakulär das ganze Spiel ist. Es sieht oft billig aus, die melancholische Atmosphäre, die das Spiel aufbauen will kann sich nicht etablieren. Dadurch wirken die ausgewaschenen Farben einfach nur wie…ausgewaschene Farben. Die Menüs sollen minimalistisch sein, sind aber mehr ein Hindernis – wehe man will ein paar Fähigkeiten herumtauschen, sowas dauert ewig. Die Handlung wird hauptsächlich vorangetrieben wenn die Charaktere irgendwo herumstehen und endlos über Banalitäten sprechen. Kämpfe gegen Bosse sind auch unausgegoren, oft kämpft man wie gegen reguläre Gegner, nur dass man hin und wieder einen Heiltrank schlürft.

Fazit

Man kann Lost Sphear vieles vorwerfen, aber es ist kein direkt schlechtes Spiel. Meine Frustrationen lassen sich auch damit begründen, dass ich so viel mehr erwartet hatte, und vom dem verschendeten Potential an allen Ecken und Enden enttäuscht bin. Es ist allerdings auch kein besonders gutes Spiel. Und die Frage, die sich mir während meiner Spielzeit dauernd stellte war, warum man nicht einfach eines der klassischen JRPGs direkt spielen wollen würde.

— Christian Novotny
Bewertung

Urteil + Sehr lange Kampagne + Viele Kombinationsmöglichkeiten und Charaktere +/- Endlose Dialoge - Langweiliger Einstieg - Unspektakuläre Präsentation - Undurchsichtiges Kampfsystem
Alles in Allem Good