In der Kindheit war es eine Selbstverständlichkeit, täglich am Morgen aufzustehen, sich zum Frühstückstisch zu setzen und nach dem mit 750 Gramm brauner, klebriger, explosiv süßer und lächerlich köstlicher Nuss-Nougat-Creme gefüllten Glas zu greifen. Vielleicht hatte man sogar das Privileg, ein Neues öffnen zu dürfen: feierlich den Deckel abschrauben, die rätselhafte goldene Folie abziehen und die haselnussige Jungfernfahrt mit dem Streichmesser drehen – ein Gefühl, an dessen Befriedigungsgrad heute nicht mehr viel heranreicht. Diese inflationäre Form des Hedonismus forderte ihren Tribut. Sonderaktionen beim Supermarkt eskalierten in Hamsterkäufe, man musste sich kritisch mit der Definition von „haushaltsüblichen Mengen“ auseinandersetzen und Nutella wurde bis zum heutigen Tag in so ziemlich jede Süßspeisenvariation weltweit integriert.

Nun ist man im Studentenleben angekommen. Die Vorstellung der Leistbarkeit von so etwas wie 3-lagigem Klopapier und Nutella ist in weite Ferne gerückt. Ein von den Großeltern spendiertes Glas davon fühlt sich wie Weihnachten an und wird in einem bedenklich kurzen Zeitraum geleert bzw. dekorativ in Gesicht, Haaren und Kleidung verteilt. Läuft man nun in euphorisiertem Zustand nutellalöffelnd durchs Haus und begegnet im Spiegel einem schokoladeverschmierten Etwas - das dank Zuckerschock mit weit aufgerissenen Augen und verkrampfter Körperhaltung eine beängstigende Ähnlichkeit mit Gollum aufweist - kann es passieren, dass man in einem schwachen Moment einen Blick auf die Zutatenliste riskiert. Ein großer Fehler.

Eine eingehende Beschäftigung mit den Zutaten ist nicht zu empfehlen, wenn man seinen ungezügelten Genuss weiterhin ohne schlechtes Gewissen zelebrieren will (Spoiler Alert). Abgesehen von zwei Dritteln reinem Zucker, ein paar Nüssen und einer Prise Kakao besteht das Ganze nämlich zum Großteil aus Palmöl. Das Fett, das der Creme ihren Glanz und ihre Streichfähigkeit verleiht, ist verantwortlich für die Abholzung gewaltiger Flächen des Regenwaldes, vor allem in Indonesien und Malaysia. Diese rücksichtslose Gewinnung des Öls geht einher mit der Enteignung und Umsiedlung von Eingeborenen, der Ausrottung diverser Pflanzen- und Tierarten und der Ausbeutung des ehemals fruchtbaren Bodens. Wenn man nach diesen Informationen einmal schwer schlucken musste (der Löffel war immerhin übervoll), beginnen die nougatgeschürten Skrupel in einem zu wuchern, denn viele täglich genutzte Produkte kommen ohne Palmöl mittlerweile nicht mehr aus.

Muss man mit einem für das Überleben wahrlich nicht essenziellen Genussmittel dazu beitragen, dass der Planet den Bach runtergeht? Und soll man in Zukunft selbst auf Nutella verzichten, um mit dem Erhalt der Erde weiterhin die Herstellung und anderen den Konsum dessen zu ermöglichen? Welch Paradoxon. So beginnt man zunächst zuversichtlich damit, Alternativen zu suchen. Nuss-Nougat- Creme existiert ja mittlerweile in den fantasievollsten Variationen, Formen und Farben. Nur ein Faktor darf dabei nicht außer Acht gelassen werden: All diese Produkte wurden entwickelt, um so zu schmecken wie Nutella. Das tun sie aber nicht, mein Schatz.

Es gibt kein umweltschonenderes Ersatzprodukt, das in Geschmack, Farbe, Konsistenz, Preis-Leistungs-Verhältnis und Suchtpotenzial auch nur ansatzweise mithalten könnte. Die Suche danach war lang, beschwerlich, endete schlussendlich mit einem Glas Nutella in einer Design-Sonderedition und der ernsthaften Überlegung, sich der Alchemie zu verschreiben, um mit einem neu generierten, aber gleich schmeckenden Alternativprodukt reich, fett und für zukünftige Geschichtsbücher relevant zu werden.

Some Random Facts

  • Nutella besteht aus Zucker, Pflanzenöl, gerösteten Haselnüssen, Kakao, Milchpulver, Sojalecithin und Vanillin.
  • Nutella gibt es dank seinem Hersteller Ferrero seit dem Jahr 1940, die Rezeptur hat sich seither nur minimal verändert (1951).
  • Nutella ist ein Kunstwort und besteht aus dem englischen „nut“ und der italienischen weiblichen Verkleinerungsform „ella“. Streng genommen ist Nutella also weiblich.
  • Die menschlichen Wimpern sind von Milben bewohnt.
  • Faultiere greifen im Halbschlaf anstatt eines Astes manchmal versehentlich ihren eigenen Arm und stürzen so in den Tod.
  • Das Parfüm Eau de Cologne war ursprünglich ein Mittel gegen die Pest.
  • Die Zunge ist das Körperteil, das am schnellsten verheilt.
  • Männer husten mit einer Geschwindigkeit von 900 km/h.