Am 17. Februar erscheint das vierte Studioalbum von Bilderbuch. Hättet ihr im Gründungsjahr 2005 jemals von diesem "Magic Life" geträumt?

Maurice: Jeder Mensch braucht Träume! Auch wenn niemand weiß, ob, wann und wie sie in Erfüllung gehen. Wir haben die Musik- bühne als blutjunge Greenhorns betreten – Blicke hinter die Showkulissen können leicht desillusionieren.

Peter: Sicherheit gab es dabei nie, dafür aber immer ein Ziel bzw. eine Vision. Für uns hat es sich ausgezahlt, an ein "Magic Life" zu glauben.

 

TUI lässt grüßen: Warum genau dieser Albumtitel?

Maurice: Zum einen klingt er phantasievoll. Zum anderen verbinden viele Leute damit ein gewisses Klischee, ein besonderes Gefühl. Groß geworden in den 90ern, hat sich unter dem Namen "Magic Life" eine ganz spezielle Urlaubskultur entwickelt. Service und Entertainment rund um die Uhr. Alles ist gratis. Es fehlt an nichts. Ein Paralleluniversum, losgelöst vom alltäglichen Leben. Diesen Flair wollen wir als Band mit "Magic Life" einfangen und festhalten – auch abseits des neuen Albums.

 

Hand aufs Herz: Was waren die wohl wichtigsten Entscheidungen und Entwicklungen in eurer mittlerweile 12-jährigen Karriere?

Peter: Wer weiß das schon genau? Jedes noch so kleine Gespräch kann große Veränderungen herbeiführen – ganz unterbewusst. Einen Meilenstein in unserer Diskografie markiert die EP „Feinste Seide“. Ab diesem Zeitpunkt haben wir alle Farben, mit denen wir malen wollen, selbst bestimmt. Das daraus entwickelte Selbstvertrauen hat uns und unsere Musik für immer verändert.

Maurice: Aber auch Niederlagen und Tiefschläge gehören zu einer gesunden Bandkarriere dazu. Immer, wenn es für uns eng oder ungemütlich wurde, haben wir eine Lösung für das Problem gefunden. Ob Besatzungswechsel, ein nicht vorhandener Proberaum oder Konzerte unter widrigen Bedingungen – eine harte Schule bringt Kraft und Ausdauer! Und wie in unserem Fall auch irgendwann viele magische, unvergessliche Momente.

 

Wo wäre die Band Bilderbuch heute ohne den Produzenten Zebo Adam, Gitarrenfetischist und früher Tonangeber bei Russkaja?

Maurice: Seine Leistung und technische Hilfestellung bei den ersten beiden Alben bleibt unbestritten. Unsere Professionalität ist zum Großteil sein Verdienst. Zebo hat uns in jungen Jahren gelehrt, den Job als Musiker ernst zu nehmen. Mit ihm konnten wir anfängliche Hürden im Studio meistern. Auf dem Weg zu unseren weiteren Alben und Veröffentlichungen ist er immer ein wichtiger Begleiter geblieben. Unsere künstlerische Entfaltung haben wir dabei immer selbst bestimmt. Um die gestellte Frage noch einmal in einem Satz zu beantworten: Nicht, was wir spielen ist Zebo Adam, sondern wie wir heute dastehen.

 

 

Von wegen "I <3 Stress": Wie anstrengend und fordernd war es wirklich, auf "Schick Schock" noch eins draufzusetzen?

Maurice: Jeder Produktionsprozess ist eine Herausforderung und kostet Überwindung, egal wie erfolgreich das vorhergehende Projekt war. Es geht um Emotionen - darum, sein Inneres nach außen zu kehren. Zwischenzeitlich hätte ich mich bei "Magic Life" vor Anstrengung beinahe angespieben – im übertragenen Sinn. Aber ich kenne dieses Gefühl. Es braucht etwas Zeit, Erholung und den nötigen Abstand, bis alle Strapazen vergessen sind und nur noch das Positive bleibt.

 

 

Wo holen sich Bilderbuch die Power für ihren Akku?

Peter: Jeder von uns hat seine eigene Energieversorgung. Maurice steht allerdings so gut wie immer unter Strom. Beeindruckend! Scheint eher ein Kraftwerk zu sein als ein Akku. (lacht)

"Sprit N' Soda" statt "Spliff"? Woher der Lebenswandel?

Maurice: "Spliff" alleine ist auf Dauer auch langweilig und ausgeraucht. Dafür gibt's Reggae bei "Baba" oder "Bungalow".

 

 

Wie viel "Sneakers4free" bekommen Bilderbuch mittlerweile am Tag?

Peter: Was Sponsorenware betrifft, sind wir mittlerweile bestens versorgt.

Maurice: Im Song steckt der Kindertraum, sich in einem Geschäft wie Toys"R"Us einfach alles nehmen zu können, was das Herz begehrt - egal, wie viel es kostet. Für uns ist dieser Traum in Form von gratis Schuhen in Erfüllung gegangen. Während sich Gangsta-Rapper damit brüsten, wie viele Bitches sie flachgelegt haben, feiern wir unsere "Sneakers4free".

 

Und jeder feiert Bilderbuch! Gar nicht so leicht, da auf dem Teppich zu bleiben und den Überblick zu behalten.

Maurice: Unser Umfeld ist im Laufe der Jahre mit einer gesunden Menschenkenntnis gewachsen. Auf Tour bleibt im Bus kaum ein Platz frei, in jeder Stadt begegnen wir anderen Leuten. Interview hier, Shooting dort. Am Ende geht es aber nur um Musik – nicht mehr und nicht weniger. So lange der Kern funktioniert und wir vier immer ehrlich zu uns selbst sind, können gemeinsame Ideen weiter Wirklichkeit werden.

 

Apropos: Wann kommt der gemeinsame Song von Yung Hurn und Bilderbuch?

Maurice: Vielleicht ganz bald, vielleicht aber auch nie - nichts Genaues weiß man nicht. Wir sind uns auf jeden Fall alle einig, dass Interesse vorhanden ist. Es braucht aber einen passenden Song, um die entstehenden künstlerischen Synergien bestens zu nutzen.

 

Eure Albumtour ist schon vor Veröffentlichung von "Magic Life" so gut wie ausverkauft – auch die Zusatztermine. Was ist jetzt mit dem Ernst-Happel-Stadion?

Maurice: Immer locker bleiben! Alte Weisheit: Nicht du bestimmst deine Konzertbühne, die Konzertbühne sucht dich aus.

Peter: Jetzt wollen und können wir den Fans an mehreren Tagen super Shows am gleichen Ort bieten - siehe Arena Wien oder Kasematten Graz. Sollte das Ernst-Happel-Stadion irgendwann einmal logische Konsequenz der Nachfrage sein, werden wir uns nicht dagegen wehren. Das Praterding hat schon seinen Reiz!

 

Wo stehen die Jungs von Bilderbuch 2017 im Publikum statt auf der Bühne?

Maurice: Die Saison ist noch jung, The xx stehen aktuell hoch im Kurs. Wenn Robbie Williams im vorher diskutierten Ernst-Happel-Stadion auftritt, spielen wir "leider" unser Tourfinale in Linz. Sorry, Robbie!

 

Die wichtigste Frage zum Schluss: Wie füttert Maurice Ernst die Katze aus dem Musikvideo zu "Bungalow"?

Maurice: Immer darauf achten, dass das Katzenfutter Zimmertemperatur hat! Ich habe meine Katze Caleb, benannt nach dem Frontmann von Kings of Leon und damals gerade aus dem Tierheim geholt, anfangs immer mit kalten Dosen aus dem Kühlschrank gefüttert. Drei Wochen lang musste sie sich ständig übergeben, bis ich gecheckt habe, dass ihr das Kalte nicht bekommt. Danach hat sie aber ein "Magic Life" gelebt.

 

Darauf ein lautes Miau und alles Gute für Bilderbuch 2017!

 

 

Kamera: Thomas Unterberger Photography / Daniel Kubera

Fashion: Julian Zigerli, House of the very island's, WEEKDAY, Burggasse 24, ASICS, CONVERSE

Location: Haus des Meeres

Styling: Angie Shahira Pohl

Support: Philipp Heinkel