Rechtzeitig zum Auftakt der Festivalsaison 2012 möchte ich mich den Menschen zuwenden, die man auf diesen Events so antrifft. Freilich besteht keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, aber ein paar Prachtexemplare wird man ja noch erwähnen dürfen…

 

Kategorie 1 - die Drangler (dt. Trinker)
 

durstig – ausdauernd hochprozentig

 

Drangler zeichnen sich nicht nur durch professionellen Alkoholkonsum aus, sondern verfolgen die Devise „Kühlbox war gestern, wir haben ein eigenes Kühlzelt“. Bedingt durch den exzessiven Verbrauch von ehrlichen, berauschenden Getränken, sind Drangler auch an Gehstörungen vierten Grades erkennbar. Normalsterbliche versuchen krampfhaft mit zusammengepressten Bierdosen bis zum Ende des Festivals „Nova Rock“ in den Zaun zu schreiben. Der fortgeschrittene Drangler fügt ein „presented by VOLUME“ hinzu und dichtet einen erheiternden Vierzeiler. Während andere würgend am nächsten Tag ihr Regenerationsmineral runterschütten, zapfen Drangler schon am zweiten Fass. Außerdem können sie zu jeder Musik tanzen. Und mit „können“ meine ich nicht Talent...

 
Kategorie 2 - die Hardliner (dt. Kompromisslosen)
 

euphorisch topmotiviert schmerzresistent


Die Hardliner tragen stets das Shirt ihrer Lieblingsband – ungewaschen, frei nach dem Motto „ein bisserl Bakterien sammeln schadet nicht“. Der komplette Unterarm ist natürlich voller Festivalbänder. Ehrensache! Ob 30°C im Schatten oder strömender Regen: Hardliner findet man immer in den ersten Reihen, wo sie es ab dem ersten Auftritt bis zum bitteren Ende aushalten. Sie kennen jedes Lied in- und auswendig, blaue Flecken aus dem Moshpit sind für sie wie Orden an einer Uniform. Hardliner muss man stets von vorne anreden, da sie meistens den Kopf vor lauter Headbangen nicht mehr wenden können. Und nach dem Festivalwochenende haben sie einen so derartigen Muskelkater, dass sogar schmerzfreies Hinsetzen auf die Couch unmöglich wird. Gscheid war’s nicht - aber leider geil.

 

Kategorie 3 - die Einedrahra (dt. Anbrater)
 

anhänglich hartnäckig paarungsfreudig


Primäres Ziel der Einedrahra ist zweifelsfrei die Annäherung an ihr menschliches Zielobjekt bzw. im besten Fall die zeitnahe Fortpflanzung. Leitgedanke jeder noch so kleinen Handlung ist stets „jeder Topf findet seinen Deckel“, oder besser gesagt „jeder Schlafsack findet seine Isomatte“. Nur zu gerne wagt der Einedrahra auch tierähnliche Paarungsversuche mitten auf der Tanzfläche, was besonders am dritten Tag eines Festivals - inklusive aller hygienischer Mängel - ansprechend und überzeugend wirkt. Bereits der erste unbeabsichtigte Rempler des Zielobjektes wird als Ausdruck tiefer Zuneigung empfunden. Vermutlich ist es ihre Hartnäckigkeit, die Einedrahran dann schlussendlich doch zum Erfolg verhilft. Anders kann ich mir einige Sendungen im Hauptabendprogramm österreichischer Privatsender nicht erklären.

 

Jemanden wiedererkannt?

 

© Eiki

 

 

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