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Hi Alice! Stell dir vor, jemand hat noch nie eine Alice Cooper-Show gesehen. Wie erklärst du diesen armen Menschen, was sie in Wien erwartet?

 

(lacht) Naja, wir sind wohl die einzige Band, die jeden Song als ein Stück Theater im klassischen Sinn behandelt. Wir versuchen, das Publikum ständig „off balance“ zu halten. Die Leute sollen sich nicht mehr auskennen, was gerade passiert. Wenn du zum Beispiel kurz mit den Augen blinzelst, verpasst du schon was Wichtiges. Es ist eine extrem theatralische Show. Und ziemlich Hard Rock. Meine Band rockt mächtig. Und ich übertreibe nicht (lacht).


Warum machst du noch Alben, wenn man heute als Musiker ohnehin nur noch mit Konzerten und Merchandise Kohle machen kann? So tragisch es ist, aber Alice Cooper und Airplay im Radio gibt es ja außerhalb der US-Westküste nicht mehr wirklich…

 

(lacht) Schau, ich mach Alben für meine Fans. Und davon gibt’s ja doch ein paar. Ich muss als Alice Cooper keine neuen Fans mehr dazu gewinnen. Die wissen, dass ich da bin und wo sie mich kriegen. Ich müsste auch schon lange nicht mehr touren, das ist wirklich nicht der Punkt. Ich gehe auf Tour, weil ich das will und weil es mir Spaß macht.


Als pathologischer Fan der Betales weiß ich, dass du ein guter Freund von Paul McCartney bist. Wie ist denn Sir Paul so privat?

 

Er ist genauso wie du glaubst, dass er ist. Er ist einer der nettesten Menschen, die ich je in meinem Leben getroffen habe. John (Lennon, Anm.) und ich waren sehr gute Freunde. Paul… Paul… ich war bei ihm daheim, als Linda zum ersten Mal zu ihm kam. George (Harrison, Anm.) und ich waren Freunde… Und Ringo (Starr, Anm.)! Ich war mit allen Beatles sehr gut befreundet, aber Paul war in meinen Augen von allen immer der absolute Gentleman. Paul gibt dir beim Reden immer das Gefühl, dass er es wirklich genießt, in einer Rock’n’Roll Band zu sein. Auch jetzt noch. Wenn er nicht diese eine berühmte Band gehabt hätte, in der er gespielt hat, dann wäre er wahrscheinlich genauso glücklich geworden, wenn er seine Lieder in einem englischen Vorstadt-Pub spielen hätte können. Der hat wirklich Rock’n’Roll in der Seele. Paul ist Rock’n’Roll.


Ich habe wahrscheinlich hundert Alice Cooper-Lieblingsnummern, aber bitte erklär mir, warum mir „Ballad Of Dwight Fry“ von 1971 immer noch die ärgste Gänsehaut aufzieht.

 

(schnauft) Interessante Frage. Es ist tatsächlich so, dass mich die Leute – von allen meinen Songs – ständig fragen, welches Lied Alice Cooper am besten repräsentiert. Und auch ich sage immer: „Dwight Fry“. Warum? Weil es alle Elemente beinhaltet, wer oder was die Kunstfigur „Alice“ ausmacht. Auf der Bühne trage ich dabei eine Zwangsjacke, aus der ich ausbreche. Die Show dazu ist extrem theatralisch. (denkt nach) Ja, du hast Recht, „Dwight Fry“ ist wohl die Perfektion von „Alice Cooper“.


Stimmt es, dass du dich nicht an die Aufnahmen deines Albums „Dada“ (1983, Anm.) erinnern kannst? Das ist nämlich eins meiner Favoriten. Vor allem dieses unpackbare Intro…

 

Nicht nur „Dada“. Auch „Special Forces“ (1981, Anm.) und „Zipper Catches Skin“ (1982, Anm.). Bei diesen drei Alben muss ich mich ehrlich bemühen, mich an irgendetwas zu erinnern. Lustigerweise finden diese drei Alben gerade die Leute, die ich als „the real Alice Cooper fans“ bezeichne, als die drei besten von mir.


Mein Vater ist fast so alt wie Du. Aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass er sich jeden Abend vor tausenden Menschen auf den Bühnen dieser Welt theatralisch enthaupten lässt. Wie, warum, woher? Erklär’s mir.

 

(lacht) Ich sag Dir was. Ich bin jetzt 62 Jahre alt. Körperlich bin ich in einer besseren Verfassung als ich vor knapp vierzig Jahren begonnen hab, Musik zu machen. Ich hab seit 25 Jahren keine Zigarette mehr geraucht, keinen Schluck Alkohol mehr getrunken und das Spaßpulver weggelassen. Es gibt auch keine Groupies mehr. Wenn ich auf die Bühne gehe, bin ich physisch zu 100 Prozent da. Vielleicht hat es damit zu tun, dass ich dank harter Arbeit jeglichen Stress aus meinem Leben verbannt hab. Ich bin glücklich und muss mich nicht mehr bemühen. Stress bringt dich um. Wenn du dir ständig Sorgen machen musst, wegen Familienproblemen oder im Job, dann bringt dich das schneller um als irgendwelche Drogen. Es ist ganz einfach: Ich vermeide Stress.


Vincent, Dankeschön.